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Garmin Fenix 5X: Spontane Liebe mit Dämpfern

Es war Liebe auf den ersten Blick – und aus heutiger Sicht: zu Recht. Aber eine Liebe mit Abstrichen, wie sich gut eine Woche nach Inbetriebnahme der neuen GPS-Sportuhr zeigt. Aus reiner Anwendersicht übertrifft die Garmin Fenix 5X teilweise sogar die Erwartungen.

Doch der Reihe nach: Bereits bei der Präsentation an der CES 2017 in Las Vegas war klar, dass die neue Uhren-Generation des in der (steuergünstigen) Schweiz domizilierten Konzerns nicht nur das Sportlerherz höher schlagen lässt, sondern auch alltagstauglich daherkommt. Letzte Zweifel betreffend Klobigkeit des Topmodells Fenix 5X sind am vorvergangenen Wochenende schnell verflogen, als ein Sporthändler in Basels Innerstadt die eigentlich erst ab Anfang Mai in der Schweiz erhältliche Uhr aus dem Regal zog.

Seit diesem von langer Hand geplanten, zeitlich aber dennoch überraschenden Kauf ist die Fenix 5X schon mehrere Tage im Einsatz – im Büro (zugegeben: der ganz enge Hemdsärmel passt nicht drüber), aber auch auf vier Trainingsläufen über insgesamt knapp 67 Kilometer. Intervall, Musik-Fahrtspiel (mit Steuerung des iPhones über die Uhr), Berglauf, Navigation über die Karte: Alles war dabei. Und das Gadget hat dabei die Erwartungen nicht nur erfüllt, nein, wie bereits eingangs erwähnt, übertroffen.

Erst eine Woche im Einsatz – und schon viele Kilometer auf dem Tacho: die brandneue Fenix 5X von Garmin.

Gestern führte der Longjogg ins benachbarte Elsass, über Wege, die ich bis zum Trainingsstart nur von www.gpsies.com, sprich rein virtuell, gekannt hatte. Die auf der Fenix 5X vorinstallierte Kartenfunktion ist nicht (wie ursprünglich befürchtet) nur nettes Gimmick, sondern draussen selbst im Sonnenlicht und während des Rennens sehr gut ablesbar. Wer eine vordefinierte Strecke (leider noch immer über ein, zwei Umwege) auf seine Garmin-Uhr geladen hat, kann sich also bedenkenlos auch durch unbekanntes Gelände führen lassen. Streckenabweichungen (beispielsweise bei unübersichtlichen Weggabelungen im Wald) werden überraschend schnell erkannt und mittels Vibrationssignal gemeldet. Geradezu erschlagend ist übrigens die Menge an Informationen, die einem beim Ablaufen einer geplanten Strecke zusätzlich zu den ohnehin schon in Hülle und Fülle vorhandenen Datenfeldern angezeigt wird. Ein echtes Cockpit-Gefühl entsteht.

Ebenfalls sehr gut ist die Live-Höhenmessung – fast schon beängstigend genau die Qualität: Beim hügeligen Longjogg vor Wochenfrist standen mit Start und Ziel am gleichen Ort nach über 23 Kilometern 439 positive genau 439 negativen Höhenmetern gegenüber. Sonderapplaus!

Doch es gibt auch Dämpfer. Nach wie vor spuckt die optische Herzfrequenzmessung am Handgelenk Fantasiewerte aus. Die Position der Uhr wurde mehrfach angepasst, der Arm zusätzlich abgetrocknet und das Armband verhältnismässig fest angezogen. Resultat: Mein so gemessener Ruhepuls wäre besorgniserregend, das vorerwähnte Ausdauertraining hätte ich fast komplett im Übersäuerungsbereich absolviert (was glücklicherweise nicht stimmt, wie die Kopplung mit einem Brustgurt zeigt). Wer genau messen will, setzt meines Erachtens sowieso auch weiterhin auf die herkömmliche Messmethode – ein Dämpfer also, der verkraftbar ist.

Dämpfer Nummer zwei lässt mich etwas ratloser zurück. Auf YouTube habe ich am Sonntag nämlich dieses Video entdeckt:

Eine über 800 Franken teure Uhr soll nach fünf bis sechs Jahren Betriebsdauer einfach im Mistkübel landen? Konnte ich fast nicht glauben, doch der bei für Garmin in der Schweiz zuständigen Firma Bucher + Walt SA wird mir dieser Sachverhalt bestätigt: «Wir öffnen grundsätzlich keine Uhren, um den Akku zu wechseln», heisst es auf Anfrage. «Von Garmin wird auch kein Ersatz-Akku als Ersatzteil angeboten – somit ist der Akku der Uhr leider nicht auswechselbar.»

Aha.

Zugegeben: Noch nie hat ein Sport-Gadget bei mir fünf oder sechs Jahre überdauert. Aber für mich stellt sich hier schon auch die Frage der Umwelt-Ethik; erst recht bei einer über 800 Franken teuren Uhr, die gerade auch mit ihrer Alltagstauglichkeit glänzen will und dies zweifelsohne auch kann. Aus sportlicher Sicht eine klare Kaufempfehlung, moralisch muss jede(r) sich selbst die Frage der Nachhaltigkeit beantworten.

Hätte ich sie nicht gekauft, wäre mir das früher bewusst gewesen? Ehrlich? Keine Ahnung. Wahrscheinlich schon. Und vielleicht ist ja gerade diese temporäre Irritation für mich Ansporn und Energie genug, um den Uhren-Akku über viele Kilo- und Höhenmeter regelrecht kaputt zu laufen …

 

Garmin Fenix 5X
Preis: CHF 829.00 (Stand 10.4.2017)
Bezugsquelle: Achermann Sport (erhältlich ab Anfang Mai)
Herstellerseite: Garmin Schweiz

Bewertung: ★★★★

★ Schubladenfüller ★★ nice to have ★★★ nützlich 
★★★★ unverzichtbar

Disclaimer: Das Produkt wurde regulär käuflich erworben. Es fand keinerlei Vergütung für diesen Artikel statt.

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