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Stryd: Kostspielige 8 Gramm mit viel Power

«FTP», so haben wir es spätestens seit den 1990er-Jahren gelernt, heisst «File Transfer Protocol» und ermöglicht den Austausch von Daten. Wer das Kürzel «FTP» im Sportbereich einsetzt, meint aber etwas komplett anderes: «Functional Threshold Power» – zu deutsch: funktionelle Schwellenleistung – bezeichnet die maximal mögliche durchschnittliche Leistung, die ein Sportler oder eine Sportlerin während 60 Minuten erbringen kann. So richtig auf dem Radar habe ich die drei Buchstaben seit ich in die virtuellen Indoor-Cycling-Welten von Zwift und Rouvy eingetaucht bin.

Was ist daran so revolutionär? Ist der FTP vergleichbar mit der anaeroben Schwelle? Nein. Denn der «FTP» sagt nichts darüber aus, wie der Wert metabolisch erzeugt wurde. Heisst im Klartext: 60 Minuten Übersäuerung, um einen FTP zu erreichen, wären (nicht nur theoretisch) denkbar.

Dennoch habe ich vor rund zwei Jahren einen nicht unerheblichen Betrag in die Existenz der «Functional Threshold Power» investiert, um auch beim Laufsport diesen in erster Linie aus der Rennvelo-Szene bekannten Wert immer wenn gewünscht am Armgelenk ablesen zu können. Datenverliebtheit? Läuft! Stolze 279 Dollar für lediglich acht Gramm Material sind seitdem an jeweils einen meiner Laufschuhe geklickt. Eine nicht nur bei mir vernachlässigbare Erhöhung des Gesamtkampfgewichts – im Gegenzug ist ja schliesslich auch das Portemonnaie leichter geworden …

Nebst dem «Foot Pod» sind zwei Halterungen und das Ladegerät im Lieferumfang enthalten – die Kopplung mit der Garmin-Uhr und der kostenlosen Stryd-App funktioniert reibungslos.

Stryd, heisst der aus den USA vertriebene «Foot Pod», der den FTP misst – und daraus weitere Daten und Analysen (fast) ohne Ende ableitet. Und obwohl er sich genau damit seit seiner Einführung 2016 über die vergangenen Monate massiv weiterentwickelt hat und mittlerweile einen Riesenstrauss an Funktionalitäten bis hin zur unterstützten, nach einer sechsmonatigen Testphase kostenpflichtigen Trainingsplanung und zur Verbesserung der Laufökonomie mit sich bringt, genügt mir bis heute dessen Basiskönnen: die Ausgabe des aktuell gelaufenen FTP auf einem der Datenfelder meiner Garmin fénix 5X Plus.

Das kleine Plastikding, das gefühlt nur sehr selten geladen werden muss (Uhr und App warnen bei niedrigem Akkustand rechtzeitig), offenbart allerdings erst in den vergangenen Wochen seinen wahren Wert: Seit dem jüngsten Umzug in coupiertes Trainingsgelände vor den Toren Basels (rund 300 bis 400 Höhenmeter sind mittlerweile pro Training zum Standard geworden) hilft Stryd nämlich insbesondere bei Aufstiegen, nicht übermütig zu werden. Sprich: Der Leistungsmesser unterstützt dabei, auch auf Strecken, auf denen viele Rhythmuswechsel nötig sind, das richtige Tempo zu laufen.

Gemessen wird mittels «präziser Bewegungs-Erfassungstechnologie, genannt Stryd, die Informationen über deine Lauffertigkeiten und -fähigkeiten liefert», wie der Hersteller auf seiner Homepage schreibt. Und in der Tat zieht das Gerät zur Ermittlung der Laufleistung die Faktoren Geschwindigkeit, Steigung, Laufform, Erschöpfung und Wind bei. Wie präzise die drei letztgenannten Werte einfliessen, kann ich ehrlicherweise nicht beurteilen – alleine in coupiertem Gelände den FTP in einem Bereich von 280 bis 320 Watt zu halten, hilft bergauf und bergab beim richtigen Einjustieren der Pace und letztlich einem effizienteren Training.

Bei mir liegt der Running-FTP – das ist eben verraten worden – also bei rund 300 Watt. Und ist damit höher als beim Velofahren, genauer beim Indoor-Cycling (auf meinem Gravel-Bike ist keine Wattmessung im Einsatz; Datenverliebtheit soll insbesondere bei Gadget-Anschaffungen irgendwann auch Grenzen kennen …). Dass die beiden FTP-Werte divergieren ist durchaus die Regel, nicht zuletzt auf Grund der unterschiedlichen Ermittlungsmethoden. Mit anderen Worten: FTP beim Cycling und Running sind buchstäblich zwei paar Schuhe und folglich nicht vergleichbar.

Spielt aller Datenverliebtheit zum Trotz aber keine Rolle: Im nächsten Training wird am nächsten Hang das achtgrämmige Plastikteil am Laufschuh – sofern die Trainingsabsicht Grundlagenausdauer ist – wieder gleichmässig in Bewegung gehalten werden. 300 Watt, knapp 300 Dollar, rund 300 Höhenmeter? Passt. Zahlenspielereien von Datenverliebten können mitunter so simpel sein.

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