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«HIIT» in der Box: Fettverbrennung mit Fussball-Frust

Da! Nimm! Die 60 Sekunden sind jeden Moment um. Ein letztes Mal fliegt das 10 Kilogramm schwere Ding dank Körperspannung mit voller Wucht auf den Boden. Auf den Boden der Box. Nein, nicht in irgendeiner Schachtel. Die Box heisst Box, weil sie zum CrossFit Helvetix (CFH) gehört. Draussen an der Stadtgrenze, direkt beim Schlachthof. Und beim CrossFit ist das Studio eben eine Box, weil es kein Studio ist. Und das Ding ist auch kein Ding, sondern auf den zweiten Blick ein Ball. Natürlich kein Ball-Ball, wie man ihn kennt – nein, ein Slam Ball.

Schöne neue Welt seit gestern Abend. Die 60 Sekunden gehören zum Training in der Box. Mitnichten ein gewöhnliches Training, sondern vielmehr «HIIT». Die vier Buchstaben stehen in der Sportwelt für «High Intensity Interval Training». Bei Bedarf kann ein «I» auch weggelassen werden, dann wird «nur» noch hochintensives Training daraus. «Bringt dich an deine körperlichen Grenzen und lässt überschüssiges Fett schmelzen», schreiben die einen. «Die Geheimwaffe für Deine Fettverbrennung», jubeln die andern.

Selbst die Schweizer Boulevard-Presse ist schon auf «HIIT» gestossen und blickte, ganz der journalistischen Sorgfalt verpflichtet, auf dessen Ursprünge zurück: Der amerikanische Sportgerätehersteller Arthur Jones sei es gewesen, der auf einer Safari beobachtet habe, dass männliche Löwen sehr viel mehr Muskelmasse hätten als weibliche, obwohl sie den grössten Teil des Tages schlafend verbringen. «Im Gegensatz zu den Weibchen, die tagsüber Nahrung sammeln und sich um ihre Jungen kümmern, jagen Männchen unter grössten Strapazen sehr intensiv.» Mit schnellen Sprints und kräftigen Sprüngen. Danach gönnten sie sich wieder eine längere Regenerationsphase. «Jones folgerte im Hinblick auf die menschliche Muskulatur, dass Übungen kurz, weniger häufig, aber möglichst intensiv ausgeführt werden sollten.»

Nicht nur Fettverbrennung, sondern auch mehr Kraft und Ausdauer sollen aus dem hochintensiven Training in der Box resultieren – beispielsweise für den nächsten Start in Biel (hier beim 56K-Nachtmarathon 2018).

Nüchtern, vielleicht sogar emotionslos betrachtet ist «HIIT» ein intensives Zirkeltraining – ohne schwere Gewichte oder komplexe Techniken, dafür funktionelle Bewegungen mit Körpergewicht oder moderaten Zusatzgewichten. Wie eben jenem 10 Kilogramm schweren Ding.

Einmal wöchentlich ist das ab sofort fixer Programmpunkt des Trainingskalenders. 50 intensive Minuten lang. «Gesundheit und Fitness stehen im Vordergrund, die Intensität steuern wir durch Intervall mit wechselnden Belastungs- und Erholungszeiten», heisst es bei CFH. Draussen beim Schlachthof.

Der Co-Owner der Box ist diesen Abend auch Coach, Motivator und Einpeitscher. Daniel Schmidt preist den nächsten Posten an: das AirBike, eine Mischung aus Trimm-Dich-Fit-Velo und Crosstrainer. Eine Minute Ruhepause ist vorbei.

Wenig später wiederholt sich die Geschichte. Da! Nimm! Das 10 Kilogramm schwere Ding fliegt dank Körperspannung mit voller Wucht auf den Boden. Aufheben. Körperspannung. Schmettern. Slam Ball? In diesen Tagen als FC-Basel-Fan, kurz vor dem Saisonstart, eigentlich gar kein schlechtes Sportgerät, um aufgestauten Frust loszuwerden …

 

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