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Das Wandern ist der Seele Balsam

Diskrepanz stammt – wie so vieles – aus dem Lateinischen. Discrepare. Die wörtliche Bedeutung schlage ich als Nichtlateiner kurz nach: In der Sache strittig sein, bestärkt das blaue L auf gelbem Grund meine Vermutung. Und Wikipedia weiss zudem: «Widersprüchlichkeit oder ein Missverhältnis im Reden.»

Ein Beispiel aus der Praxis geht so: Vier bis sechs Wochen Laufpause, diagnostiziert der Arzt nach Konsultation meines lädierten und bändergezerrten Fusses am vergangenen Dienstag. Kurzes, aber heftiges mentales Loch nach verpatztem Trailrunning-Trainingsauftakt.

Tagsdarauf Physiotermin. Premiere in Zermatt. Und Premiere mit blauem Kinesiotape. Gegen die Schwellung, gegen die Blutergüsse. Und vor allem: für die Seele, für die Moral. Obwohl die Wirkung und der Wirkmechanismus von kinesiologischem Taping wissenschaftlich noch immer als Hypothesen gelten, bin ich dafür empfänglich. Wie mittlerweile auch Physiotherapeutin Bea, die die Methode, wie sie mir offenherzig erzählt, einst in die Welt des Hokuspokus eingeordnet hatte.

Die Mikromassage der Bänder fördere die Durchblutung, erklärt sie. Vier bis sechs Wochen Laufpause? Das sei total übertrieben. «Gäll, Ärzte sind halt gerne auf der sicheren Seite.»

Von Zermatt nach Trockener Steg: Auf 1200 Höhenmetern wechselt die Alpenlandschaft von saftigen Wiesen zu kargen Steinlandschaften – und hält zum Abschluss sogar noch ein Steinbockrudel als Überraschung bereit. (Quelle: swisstopo/SchweizMobil)

Die Physiopremiere am Fusse des Matterhorns weckt die zuvor niedergeschmetterten Geister. Statt in die Stützbandage geht’s in die stützenden Wanderschuhe: vier Touren in vier Tagen, 33 Kilometer, über 2600 Höhenmeter.

Gestern zweiter Physiotermin. Das sähe schon sehr schön aus, meint Bea beim Blick auf den zwar weiterhin farbenfrohen, aber deutlich abgeschwollenen Fuss. «Ich würde halt vorerst noch nicht bergab rennen.» Wie bitte? Rund eine statt vier bis sechs Wochen Laufpause? Bea nickt. Vielleicht mit einer leichten Bandage. Und mit gesundem Menschenverstand. Trainings-Comeback ante portas. «Auch für den Kopf», entfährt es uns zeitgleich.

Rund eine statt vier bis sechs Wochen? Was für eine Diskrepanz. Zwei Stunden nach dem Physiotermin kraxle ich über eine steile Skipiste zwischen Furi und Furgg. Ziel ist Trockener Steg. Zügiger Schritt, viel Schweiss, erst gnadenloser Sonnenschein, dann Wind und Regen – und zum Abschluss noch der Anblick eines Steinbockrudels. Eine Tour für die Motivation.

Heute noch in Wanderschuhen. Rat meines gesunden Menschenverstandes. Die Leistung aber lasse ich schon als Comeback durchgehen – denn zu echtem Berglauf- und Trailrunning-Training bestand hier nun wirklich kaum Diskrepanz.

 

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