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Laktosetoleranter Milchallergiker

Meistens mittags beim Lunch. Geschäftlich oder privat. Manchmal auch abends. Selten morgens. Und hin und wieder auch beim Einkauf von Sportlernahrung. Fast schon zum Ritual geworden.

Ich so: «Nein, danke, da ist Milch drin.»
Das Gegenüber so: «Nicht gern?»
Ich so erklärend: «Nein, ich vertrage es nicht. Milchallergie.»
Das Gegenüber so besserwisserisch: «Ah, Laktoseintoleranz.»
Ich so augenverdrehend: «Nein, Milchallergie.»

Und denke mir dabei: Nein, es ist nicht die Tatsache, dass mir der Fachbegriff nicht eingefallen wäre. Nein, liebes Gegenüber, ich bin nun mal ganz einfach laktosetolerant. Denn hätte ich Laktoseintoleranz, hätte ich Laktoseintoleranz gesagt.

Aber da ich letztlich nicht nur Laktose gegenüber tolerant bin, betreibe ich in der Weiterführung einer solchen Konversation gerne auch basisernährungswissenschaftliche und  biologische Aufklärung – obwohl ich über die Biologie-Note im Maturazeugnis den Mantel des Schweigens hülle: Laktose ist Milchzucker, bei einer Laktoseintoleranz kann der Dünndarm das Verdauungsenzym Laktase in unzureichendem Masse produzieren.

Mein Dünndarm, herzlichen Dank dafür, leistet in der Laktaseproduktion aber ganze Arbeit; meine Allergie (also weitaus mehr als eine profane Intoleranz) bezieht sich auf das Milcheiweiss. Von Kühen. Schaf geht, Ziege geht, selbst Büffel geht (soll mir also niemand versuchen, billigen Normalo-Mozzarella als «Mozzarella di Bufala» unterzujubeln).

Kuh, da bin ich aber konsequent intolerant. Also gegenüber dem Eiweiss ihrer Milch wohlgemerkt – nicht intolerant gegenüber dem Tier selbst. Kenne ich in der Regel ja auch gar nicht persönlich.

Nein, im Gegenteil: Ich liebe Kühe!

kuh_milchallergie_laktoseintoleranz

Dieses Vieh ist unschuldig: Die Zutatenliste auf Sportlernahrung muss genau studiert werden. (Foto: Strohm)

Immer dann, wenn auf einer Packung «Kann Spuren von Milch enthalten» steht, kann ich bedenkenlos zugreifen. Diese Deklaration ist nämlich eine reine Vorsichtsmassnahme, weil vielleicht in einem anderen Produktionsvorgang Milchbestandteile die Fertigungsmaschine durchlaufen haben. Selbst wenn Laktose explizit als Bestandteil aufgeführt, greife ich tolerant zu.

Gerade bei Sportlernahrung (Energieriegel, Regenerationsdrinks und dergleichen) gilt es, das Kleingedruckte zu lesen. Und das fällt mit zunehmendem Alter schwer. Die Armlänge reicht je nach Schriftgrösse auf der Verpackung nicht mehr aus, um das Geschriebene scharf zu stellen. Ohne Lesebrille. Doch: Wer hat die beim Einkauf von Sportlernahrung schon dabei? Und selbst wenn: Eine gelbe 6-Punkt-Schrift auf oranger Verpackung wird auch dann zum reinsten Glücksspiel. Auf sowas reagiere ich allergisch – auch ohne Milch.

Logik wäre beim Einkauf von Sportlernahrung auch naheliegend, versagt aber – wie beispielsweise die Energieriegel von Powerbar beweisen: Während die vier «Energize»-Variationen nämlich allesamt Milcheiweiss beinhalten, kommen die fünf «New Energize»-Produkte ohne aus. Zumindest fast. Mit einer Ausnahme («Salty Peanut»). Kleingedrucktes lesen. Ansonsten resultieren nicht nur Bauchschmerzen und erhöhtes Diarrhoe-Risiko wie bei Laktoseintoleranz üblich, sondern regelrechte Störungen des Immunsystems: niederschmetternde Müdigkeit und Lustlosigkeit gepaart mit innerlicher Nervosität bis hin zu Fieber und triefender Nase.

Die Kuh kann nichts dafür.

 

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  1. Metabolischer Kampf gegen Zimtstern & Co. – strohmRUN

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