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Das grosse Marathon-Streichkonzert

Die 21,1 Kilometer lange Rekordjagd durch Freiburg ging bekanntlich gehörig daneben. Danach: Enttäuschung und Schmerzen. Letztere sind geblieben. Rechte Po-Backe, rechter Oberschenkel. Das Übliche halt.

Die Enttäuschung ist schnell gewichen. Und zwar der Verzweiflung. Nach knapp zwei Jahren mit vielen Aufs und etlichen Abs sind die muskulären Probleme wieder akuter denn je. Nicht nur beim Laufsport. Das nervt.

Knapp zwei Wochen und zwei Physio-Besuche sind seit dem wettkampfmässigen Auftakt in die Laufsaison 2016 vergangen. Zeit für eine Auslegeordnung. Und Zeit für Erkenntnisse, die so ziemlich alles auf den Kopf gestellt haben.

Die Schuldigen? Vielleicht der Quadratus Lumborum, wohl eher der Gluteus Medius. Oder beide zusammen. Das, was einst im Gewebe des Piriformis-Muskel klebte, hat sich – wohl nicht zuletzt dank der gezielten Behandlung und konsequentem Muskelaufbau – offenbar in einer Art Kettenreaktion nach oben aus dem Staub gemacht. Und klebt nun dort munter vor sich hin.

«Stell Dir einen Kaugummi in den Haaren vor», erklärt der Physiotherapeut. Kaugummi an der Arschbacke? Bilder im Kopf. «Jetzt müssen wir die Muskeln so behandeln, dass er sich lösen kann.» Das Rezept heisst – einmal mehr – Dry Needling. Wieder Bilder im Kopf. Erinnerungen. Und schon stecken Nadeln in mir.

«Die Muskeln haben sich in den vergangenen Monaten nie erholen können», hallen wenig später verdammt auf den Punkt analysierende Worte durch das Praxiszimmer. Worte, die ich eigentlich nicht hören wollte. Und ich beginne jenen Satz, dessen Ende ich in diesem Moment ja selbst schon kenne: «Das heisst also …»

Unsere Blicke kreuzen sich.

«Pause!» Und obwohl ich seine fünf Buchstaben (und erst recht das Ausrufezeichen) genau vorhersehen konnte, zucke ich ob der Antwort des Physios innerlich kurz zusammen. Kein Krafttraining. Kein Lauftraining. Nichts Alternatives unterhalb des oberen Rumpfes. «Keine Reize setzen, die die Schmerzen auslösen», lautet sein eigentlich logischer Ratschlag. «Ein logischer Ratschlag», unterbricht der Physio im selben Moment meine Gedanken, «aber Sportler wie Dich muss man mit deutlichen Worten mitunter zur Vernunft bringen.» Kein Krafttraining, kein Lauftraining. Nichts Alternatives unterhalb des oberen Rumpfes. Acht Wochen lang.

Grand Prix Bern, Mitte Mai? Gestrichen. Zermatt-Marathon, Anfang Juli? Erst recht kein Thema. Jungfrau-Marathon, Anfang September? Vergiss es!

Fürs Erste habe ich mich arrangiert – und bereits ein alternatives Hobby im Bereich Ausdauer gefunden: Dem Gras beim Wachsen zusehen. Ohne Reiz für die gestresste Muskulatur. Nur mit den Augen – oberhalb des oberen Rumpfes.

6 Kommentare zu Das grosse Marathon-Streichkonzert

  1. Ohjee das ist hart!! Hoffentlich kommt aber bald alles gut und du kannst wieder durchstartet!! Alles Gute und halt dich an die Regel!!! 😉

    • Danke Dir. Die sechs Buchstaben «Geduld» sind halt mitunter das Schwierigste. Werde mir die Zeit nebst dem Beim-Graswachsen-Zusehen auch mit euren Blogbeiträgen und coolen Videos vertreiben!

  2. Och nööööö! Das ist mega-doof.
    Hoffentlich kriegst Du die Zeit rum, ohne die Wände hochzugehen. Daumen gedrückt.

    • Danke fürs Daumendrücken. Wäre natürlich gerne auf Alternativen umgestiegen (liegt, wie ich irgendwo gelesen habe, total im Trend!) – aber es ist tatsächlich Nichtstun verordnet. Und da halten wir uns doch mal vorerst dran …

      • Du bist sehr brav… Noch nicht mal Aquajogging ist erlaubt?

      • Nö. Würde zudem auch behaupten, dass Aquafitness zwar (logischerweise) Schläge absorbiert, aber trotzdem als Ganzkörpertraining durchgeht. Suche derzeit noch Fachliteratur zu den Themen «Ultra-Nichtstun» und «Extrem-Herumlungern» …

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