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Die Tankfrau aus der Dunkelheit

Wanzwil ist seit 2009 Geschichte – und nach der Fusion «nur» noch Teil der Gemeinde Heimenhausen. Amtsbezirk Wangen, Kanton Bern. Wirklich gross wurde das Ganze dadurch nicht: 1111 Einwohner Ende Februar.

Eine Einwohnerin habe ich kennengelernt. Vergangene Woche, auf meiner ersten Fahrt nach Herzogenbuchsee – zur schmerzvollen Tiefenmassage. «Nein, ich bin nicht masochistisch veranlagt», erkläre ich all jenen entschuldigend, die auch meine Vorgeschichte mit tief im Allerwertesten steckenden Nadeln kennen. Denn auch nach mittlerweile fast zwei Jahren heisst es: Kampf dem Piriformis-Syndrom.

Sie, die Einwohnerin, betreibt eine Tankstelle. An der Hauptstrasse, mitten in Wanzwil. An jenem Abend bin ich etwas früh dran, habe Staupuffer eingerechnet. Kein Stau, dafür Zeit, um das Auto aufzutanken.

Der erste Massagetermin danach nimmt Druck vom Piriformis. Erst Isa, dann Monika pressen mit Hand, Unterarm und – aua! – Ellbogen in bekannte und bis dato auch völlig unbekannte muskuläre Weichteile. Den schmerzerzeugenden Muskel im Gesäss selbst ausgenommen. 60 Minuten lang. In den Tagen danach schimmert mein Oberschenkel im Adduktorenbereich in allen erdenklichen Farben.

Endlich eine wirksame Methode? Erste Indizien sprechen dafür. Doch es gibt weiterhin Rückschläge.

Von alledem ahne ich an der Kleinsttankstelle (eine Säule Diesel, eine Säule 95er-Benzin) inmitten idyllischer Bauernhäuser noch nichts. Als ich den Tankstutzen einsetze, steht sie, die alte Dame aus Wanzwil, aus der Dunkelheit kommend plötzlich neben mir: «Funktioniert es», fragt sie mich. «Alles bestens», quittiere ich mit einem Lächeln, das die leichte Irritation ob ihrer Frage kaschieren soll. «Ganz herzlichen Dank, dass Sie hier tanken – und eine gute Weiterfahrt», sagt sie.

Und drückt mir ein Schoggistängeli in die Hand.

«Oh … herzlichen Dank», stammle ich neben der Zapfsäule verdattert – und strahle noch im selben Augenblick wohl wie ein Schuljunge. (Dass ich normale Schokolade auf Grund meiner Kuhmilchallergie gar nicht essen kann, ist in diesem Moment sowas von Nebensache.)

Die Massagetermine in Herzogenbuchsee schreiben derzeit ein weiteres Kapitel in einer langen Geschichte. Darin hat Wanzwil schon jetzt einen festen Platz. Dank einer wunderbaren Tankstelle.

4 Kommentare zu Die Tankfrau aus der Dunkelheit

  1. Das sind die schönsten Momente des Daseins. 🙂 Über die Ironie eines Schweizer mit Kuhmilch-Allergie schweige ich jetzt mal völlig klischeefrei. 😀 Hoffe, der Oberschenkel erholt sich.

  2. Elke's Runningblog // 21. März 2016 um 8:05 am // Antwort

    Hoi Vloggy,
    ja solche netten Gesten erlebt man immer noch am ehesten in der Schweiz. Sicherlich wirst Du dort nun Stammkunde, wenn Du in der Nähe bist…? Erfolgreichen Kampf gegen die Tiefen Deines verlängerten Rückgrats!
    Liebe Grüße
    Elke

    • Sali Elke

      Ja, das kann ich mir durchaus vorstellen. Morgen Abend wäre dann die nächste Tankfüllung fällig. Und den Rest bekommen wir irgendwann auch noch hin …

      Liebe Gruess

      Vloggy

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