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München-Countdown: Ziepen, Zwicken, Zaudern

Die App auf dem iPhone zeigt heute Morgen den Countdown aller Countdowns: Noch vier Tage, drei Stunden, zwei Minuten und eine Sekunde – dann fällt auch für den Block B beim «30. München-Marathon» der Startschuss. Neu auf dem Coubertinplatz im Olympiapark. Benannt nach Pierre Baron de Coubertin, dem Reanimateur der Olympischen Spiele. «Mitmachen ist wichtiger als Siegen», soll er einst gesagt haben. Bla bla. Die Gegenwart ist bekannt.

Sonntag, 10.10 Uhr, geht es also los. Gestern Abend: ein letztes Beineausschütteln. Mit Intervallen. Nix Wildes. Das Marathon-Tempo «spüren». Heisst im Klartext, fünf Abschnitte à 500 Meter mit einer Pace von 6:15 Minuten pro Kilometer. Gelingt so la la. Und das wäre dann auf 42’195 Meter aufaddiert – in meinem neunten Marathon – persönlicher Rekord. Vonwegen «Mitmachen ist wichtiger» und so: Ein bisschen Ambition darf ja schon sein.

Rund läuft diese Hauptprobe aber überhaupt nicht. Hand aufs Herz: Wer kennt das nicht? Mangels Abwechslung im Trainingsgelände geht die ganze Aufmerksamkeit zum Schmerz in der rechten Pobacke. Erst ziept es hinten, dann zwickt es innen, dann ist Ruhe. So dass der Fokus auf den linken Oberschenkel schwenkt. Ein Ziepen, ein Zwicken – und hin und her. Erst links, dann rechts. Und umgekehrt. Die Arbeit der Osteopathin in der Mittagsstunde ist gefühlt zunichte gemacht – das Chassis erneut verzogen.

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Der Franzose Pierre de Coubertin gründete 1894 das Internationale Olympische Komitee, das er von 1896 bis 1925 auch präsidierte. (Foto: wwwuppertal/Flickr/CC)

Ach, was für ein Training: Vom Basler Münster schwenkt mein Blick auf den Mühleberg, von wo mir ein Läufer mit seltsamem Laufstil entgegeneilt. «So schlimm sieht es bei mir dann doch nicht aus», klopfe ich mir innerlich auf die Schulter – und werde prompt bestraft: Wenige Meter vor dem Ende der Steigung muss ich plötzlich «beissen». Ich, der selbsternannte Bergfloh, von einer besseren Bodenwelle gebodigt?

Und noch während ich mit diesem Gedanken kämpfe, ist das Erholungsintervall zu Ende. Die Uhr kündigt mit akustischem Countdown den nächsten Marathon-spürsch-mi-fühlsch-mi-Intervall an. Ha, noch in der Steigung.

Beim Brunnen in der Haarnadelkurve streikt die GPS-Messung: Mit einer Pace von über 11 Minuten pro Kilometer soll ich in die malerische St. Alban-Vorstadt einbiegen? Auch die Technik hat sich bei dieser missglückten Hauptprobe gegen mich verschworen. Und diese desaströse Fehlmessung hat natürlich zur Folge, dass ich auf dem letzten 500-Meter-Intervall nur durch einen Zwischensprint in den anvisierten Zielbereiche komme – andernfalls pfeift der Alarm am linken Handgelenk, also direkt über dem ziependen und zwickenden Oberschenkel, in regelmässigen Abständen. Inmitten der Abendspaziergänger in dieser stillen und idyllischen Umgebung.

Von wegen «Mitmachen ist …» – Schluss! Das Auslaufen kürze ich spontan um die Hälfte auf knapp 500 Meter. Danach Dehnen und auf die Blackroll.

Die Schuhe sind zu diesem Zeitpunkt bereits verräumt. Die Reise nach München wird ein anderes Paar antreten. Aberglaube? Taktik! Ein bisschen Ambition darf ja schon sein – am Sonntag, ab 10.10 Uhr, in Block B.

Die Kondition stimmt, aber wie weit die Muskulatur mitspielt? Keine Ahnung. Die gestrige Hauptprobe blende ich aus. Fokussiere mich stattdessen auf das Drumherum. Und der Rest? Wichtiger als Siegen!

 

Der München-Marathon im Zeitraffer

2 Kommentare zu München-Countdown: Ziepen, Zwicken, Zaudern

  1. Hoi Vloggy,
    ja dann habe ich ja schonmal bei Dir eine (virtuelle) Runde im Stadion gedreht. Und ansonsten: Das wird, das wird!
    Mein Mann ist im gleichen Startblock wie Du, aber nicht dass ich Euch von hinten aufsammel… 😉
    Liebe Grüße
    Elke

    • Hinter mir kommt noch ein Block? Huiuiui! Ich werde die Füsse in die Hand nehmen – was sicher auch einen ganz nützlichen Dehneffekt für meine Muskulatur hätte …

      Liebe Gruess

      Vloggy

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