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Basel-Marathon: Euphorischer Testlauf mit Schaumkrone

Ein Halbmarathon durch die Heimatstadt als Test für den München-Marathon in 14 Tagen? Eine bestechende Idee. Als Muskeltest einerseits – um die anvisierte Marathon-Zeit «zu spüren» anderseits.

Das Fazit nach den heutigen 21,0975 Kilometern: medizinisch zufrieden, taktisch versagt. Und zwar auf der ganzen Linie. Denn als ich nach den ersten engen Richtungswechseln und der ersten Passage der Wettsteinbrücke endlich etwas Platz habe, wird die Schrittlänge grösser, die Kadenz runder. Es folgen Kilometerzeiten zwischen 5:24 und 5:50 Minuten – was natürlich aus Marathonsicht viel zu schnell ist.

«Geht gut», rufe ich in der Anfangsphase des Laufs meiner (leider als einer der wenigen Zuschauenden) Beifall klatschenden Frau zu. Und schiebe die taktische Weisheit hinterher: «Muss aber runterbremsen.» Nichts mehr als eine leere Worthülse – ein ansonsten in der Konversation mit meiner Angeehelichten praktisch nie auftretendes Phänomen. Runterbremsen? Fehlanzeige! Trotz coupiertem Gelände (am Ende zeigt die Uhr für einen Stadt-Marathon eher unüblich über 100 Höhenmeter) gleite ich in eine regelmässige Pace: Kilometer für Kilometer. Links ums Eck, rechts ums Eck. Rauf. Runter. Durchs Gundeldinger-Quartier, vorbei am Zolli, ja, selbst über den Kohlenberg mit knackigem Anstieg.

Es muss irgendwann nach einer halben Stunde Rennzeit gewesen sein, als ich beschliesse, die Füsse einfach laufen zu lassen. Frei nach dem Motto: Was interessiert mich das Taktik-Geschwätz von gestern? Der Piriformis-Muskel rechts ist zwar spürbar, der zuletzt bisweilen massiv klemmende Oberschenkel links verhält sich aber ebenso überraschend wie erfreulich unauffällig. Auf den Kohlenberg folgt die Passage durch die pitoreske Altstadt am Heuberg, vorbei am Spalentor, über den Petersplatz und hinunter an den Rhein.

Immer wieder grüsst von Weitem der Roche-Turm, das höchste Gebäude der Schweiz – notabene in den obersten Stockwerken noch in Nebel gehüllt. Ohnehin ist das Wetter perfekt: trocken, die Sonne drückt durch, etwas Bise – nicht zu heiss. Und: Die Füsse laufen und laufen. Bis ich nach der Dreirosenbrücke, mittlerweile wieder am Kleinbasler Rheinufer angelangt, die Zwei-Stunden-Pacemaker vor mir erblicke. Ich schliesse auf, halte mit einer der mit Ballon ausgestatteten Läuferinnen – eine «alte» Bekannte – ein Schwätzchen … und merke dann irgendwo bei Kilometer 18, als die Schlaufe von Kleinhüningen wieder zurück in Richtung Stadt führt, dass das Ziehen im Gesässmuskel stärker wird.

Übertrieben, zu euphorisch? Vielleicht. Ein Opfer meiner heutigen Leichtfüssigkeit? Nein. Ein, zwei kurze Gehpausen muss ich dem Piriformis zwar zugestehen, bevor es über die Mittlere Rheinbrücke zurück in Richtung Ziel geht. Zu diesem Zeitpunkt ist längst klar: Die Zwei-Stunden-Marke werde ich zwar knapp verfehlen, aber es kommt letztlich etwas raus, mit dem ich nie und nimmer gerechnet hätte: An Stelle von sachtem Muskeltest mit Option des Forfaits laufe ich nach zuletzt verletzungsbedingt zweiwöchiger Laufpause meinen drittbesten persönlichen Halbmarathon aller Zeiten: 2:00.39,0, so die offizielle Messung.

Der daraus resultierende Schnitt von 5:43 Minuten pro Kilometer ist punkto Marathon in zwei Wochen für mich natürlich überhaupt keine Referenz. Oder auf den Punkt gebracht: taktisch total unbrauchbar. Aber: Nach dem Zieleinlauf schnappe ich mir auf dem Barfüsserplatz ein alkoholfreies Weissbier. Und lasse den isotonischen Genuss durch die Schaumkrone über die Zunge perlen. Wie hoffentlich auch am 11. Oktober im Münchner Olympiastadion. Der heutige Halbmarathon – eben doch ein ganz brauchbarer Test. Prost!

medaille_basel_halbmarathon

Buchstäblich die Kehrseite der Medaille, die allen Teilnehmenden des schönen und gut organsierten «6. IWB Basel Marathon» ausgehändigt wurde – auch jenen, die «nur» kürzere Distanzen wie 21,0975 Kilometer absolviert hatten. Doch es bleibt dabei: Lauf-Medaillen sind nicht so mein Ding …

5 Kommentare zu Basel-Marathon: Euphorischer Testlauf mit Schaumkrone

  1. Besser taktisch als läuferisch versagen. 😉 Glückwunsch und gedrückte Daumen für den Ernstfall!

  2. Elke's Runningblog // 27. September 2015 um 8:46 pm // Antwort

    Hoi Vloggy,
    Glückwunsch, ist doch super gelaufen! Hauptsache, die medizinische Seite passte. Das mit der Strategie liegt dann in 2 Wochen in Deinen eigenen Händen!
    Luja, sog I!
    Liebe Grüße
    Elke

1 Trackback / Pingback

  1. Basel: Eine Stadt kann nicht Marathon – strohmRUN

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