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BVB, Dede und allerlei Weh-Weh

Auf dem Bildschirm läuft Fussball. Ein Abschiedsspiel. Nicht irgendeines. Nein. Weltrekord: 81’359 Zuschauer sind ins Dortmunder Westfalenstadion gekommen, um den Brasilianer Dede zu verabschieden. Augenwasser. Gänsehaut. Augenwasser.

13 Jahre hat er für den ortsansässigen Ballspielverein Borussia 09 e.V., kurz BVB, gespielt – und als Linksverteidiger Kultstatus erreicht. Für ihn sind sie angereist, seine Freunde, die älter gewordenen Herren. Giuseppe Reina. Paulo Sergio. Sergej Barbarez. Und langsam geworden.

«Olé, Dede», schallt es durch das Rund. Der Ball rollt. Langsam. «Der Zahn der Zeit», schiesst es mir durch den Kopf. Las ich just tags zuvor als Titel auch bei meinem Laufblogger-Kollegen Andreas Safft. Auch er, Saffti, langsamer geworden. Ab Alter 45 sinke die Leistung jährlich um ein Prozent, zitiert er – es sei denn, Training und Ernährung könnten diesen Verfall ausgleichen.

Und ich? Gut einen Monat vor dem München-Marathon? Eigentlich mit dem Ziel im Hinterkopf, neue persönliche Marathon-Bestzeit zu laufen? Auch ich, nicht erst seit der zu schlagenden Marke vom Oktober 2013: älter geworden. Und für Weh-Weh anfälliger.

Monatelang habe ich meiner Leserschaft die Hucke voll geheult von wegen Piriformis-Schmerzen im rechten Gesäss. Und nun das: Seit rund zwei Wochen zieht es links. Hüftbeuger? Gut möglich. Profane Oberschenkel-Zerrung? Eher nicht, aber auch denkbar. Muskuläre Defizite? Wahrscheinlich. Hüftprobleme? Wir wollen nichts verschreien. Oder einfach eine Kombination aus allem.

Ich weiss es nicht. Kann das Weh-Weh ja nicht mal recht beschreiben. Mal klemmt es oben. Mal zieht es vorne mittig. Dann seitlich. Dann wieder gar nicht. Ratlosigkeit. Trainieren? Ja, schon, aber … es klemmt und zieht. «Dasch doch e Gränni», würde Hanspeter Latour mir wahrscheinlich jetzt zurufen. Trainer. Fussball. Auch er irgendwie Kult.

Kult? Kann ich von mir nicht behaupten: Nach dem erfolgreichen 28-Kilometer-Longjog vor rund zwei Wochen, zwei hintereinander gestrichenen (Premiere!) Laufeinheiten des Trainingsplans und einem missglückten Ausflug um die Hamburger Aussenalster machte ich mir jedenfalls Gedanken, was denn – ausser der freiwilligen Marathonplagerei – sonst noch so als Hobby in Frage kommen würde.

Erster Gedanke nach dem Besuch des Miniatur-Wunderlands im Weltkulturerbe, der Speicherstadt: Beim Teutates, eine Modelleisenbahn im Massstab H0 soll es sein! Dann, mittlerweile an der Ostsee, die Wende: In einem Laden für Outdoor-Bekleidung bekommen wir als Dank für den hinterlassenen Gesamtbetrag saisongerecht einen Drachen in die Tasche gepackt. Auch nicht schlecht. So als Hobby. Aber halt nur im Herbst. Und nur bei genügend Wind.

Also schnüre ich mir abends die Laufschuhe. Und kehre nach über 13 Kilometern durch den Darsser Urwald wieder zurück. Kein Abschiedslauf, nein, freies Training. Ausserplanmässig. Nicht zuletzt deshalb wohl auch keine 81’359 Zuschauer, nein, nur ein paar Weststrand-Spätheimkehrer mit Velo unter ihren beiden, vermutlich schmerzfreien, Piriformis-Muskeln oder noch schnell zwischen den Bäumen Krafttankende mit Gassi-Hund an der Leine.

Freies Training. Ohne auf die Uhr zu schauen. Mal schneller, mal langsamer. Wie Reina, Barbarez – oder Dede. Spasseshalber. Die Devise: einfach los. Mal klemmt es oben. Mal zieht es vorne mittig. Dann seitlich. Links. Manchmal auch rechts. Dann wieder gar nicht. Vonwegen «Gränni»!

Bis München bleibt noch Zeit. Fürs Lauftraining.

Modelleisenbahn und Drachensteigen … müssen warten.

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Leonardo de Deus Santos: Der Brasilianer Dede bei der Meisterfeier von Borussia Dortmund im Jahr 2011. (Foto: Pro2/Wikimedia/CC)

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  1. München-Marathon: O’zapft is! | strohmRUN

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