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Andreas Steindl: Zwischen Genie und Wahnsinn

Schnell ist ein Adjektiv, das sich im Laufsport grundsätzlich nicht schlecht macht. Ganz anders verhält es sich mit vorschnell. Erst recht, wenn unter diesem Gesichtspunkt ein Urteil gefällt wird. Wie beispielsweise über Andreas Steindl.

Der 26-Jährige ist zur Zeit in vieler Munde, denn er hat einen besonderen Lauf hinter sich gebracht. Und das in Rekordzeit. Für 30,66 Kilometer hat der Zermatter vor wenigen Tagen 7:45.44 Stunden gebraucht. Ergibt eine Pace von 15:11 Minuten pro Kilometer.

«Pffft …», könnte sich so manch Vorschnellurteilbildender nun denken, «was soll daran rekordverdächtig sein?» Und in der Tat: Selbst ich laufe diese Distanz grundsätzlich mehr als doppelt so schnell.

Zwischen Genie und Wahnsinn liegt ein schmaler Grat, heisst ein Sprichwort – das im vorliegenden Fall zwingend neu formuliert werden muss: Der Grat liegt nicht zwischen, sondern unter dem Genie, unter dem Wahnsinn – in Personalunion. Denn auf den erwähnten 30,66 Kilometern überwindet Steindl (auch Matterhorn-Besteigungs-Rekordhalter mit 2:57 Stunden!) nicht «nur» unwegsames Gelände, Gletscher und die Gipfel von nicht weniger als fünf Viertausendern, sondern auch etliche ausgesetzte Felsgrate. In der Summe: 4015 Höhenmeter.

«Zwischendurch habe ich gedacht, meine Uhr spinnt», wird er von «Blick online» zitiert. «Es war ein Wahnsinnstag für mich, ich bin müde aber zufrieden und glücklich.» Speed Mountain Running. Den Abgrund stets vor Augen. Nun ja. Ich ziehe den Hut. Und schüttle den Kopf!

Das Ganze dokumentarisch in einem nur schon beim Zuschauen schweisstreibenden Film festgehalten, bei dem ich mir spontan denke: Wie muss es sich als Bergsteiger anfühlen, wenn man – am Beispiel des 4545 Meter hohen Doms – mit der Seilschaft soeben den höchsten komplett in der Schweiz gelegenen Gipfel erklommen hat … und in diesem Moment des persönlichen Erfolgs der Steindl, leichtfüssig wippend, vielleicht sogar am Iso-Getränk nippend, vorbeirennt?

Es geht von Zermatt nach Saas-Fee übrigens noch schneller: 1:51 Stunden. Assistiert durch die Matthorn-Gotthard-Bahn und den Postbus. Speed Mountain Traveling. Oder noch besser: Ultra Train & Coach Riding …

 


Quelle Vorschaubild Artikel:
onurati/Flickr/cc

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