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«La Petite Trotte» der Hirnlappen

Die Beine werden im Abstieg vom Tête de Licony schwer. Was Wunder: Rund 160 Kilometer sind jetzt zurückgelegt. Die Sonne in den italienischen Alpen brennt gnadenlos. Der Schweiss rinnt.

Vor zehn Kilometern haben wir die zweite der drei Verpflegungsstellen auf dem 300 Kilometer langen Rundkurs um Chamonix – und durch drei Länder – hinter uns gelassen. Eine Bouillon. Ein Energieriegel. Mehr ging irgendwie nicht. Selbst das isotonische Getränk war mir zuwider. Immer und immer wieder schwirrte mir stattdessen diese Frage um die Hirnlappen: Weshalb habe ich mich zur Teilnahme an der «Petite Trotte à Léon» überreden lassen? Von wegen «trotter», traben. Viel eher: «Trotter par la tête» – nicht aus dem Sinn gehen.

Profil_PTL_2015

Auf die Grafik klicken und staunen: 300 Kilometer, 28’000 Höhenmeter – und maximal 142 Stunden Zeit. Das sind die Eckdaten von «La Petite Trotte à Léon» im Rahmen des «Ultra-Trail du Mont-Blanc».

Noch liegen 140 Kilometer vor uns. Wenn wir nach maximal 142 Stunden Chamonix wieder erreichen, sind rund 28’000 Höhenmeter geschafft. Ein Ausdauerwettbewerb ohne Rangliste – mittlerweile auch im Gedenken an den 2014 verstorbenen französischen Alpinisten Jean-Claude MarmierMitbegründer des «Ultra-Trail du Mont-Blanc» (UTMB), in dessen Rahmenprogramm die Strapaze stattfindet. Rauf und runter. Rauf und runter. Stunde um Stunde. Tag für Tag. Fast eine ganze Woche. Täglich im Schnitt 50 Kilometer. Rauf und runter. Knapp 4700 Höhenmeter. Tag für Tag. Rauf und runter.

Dauerhafte Freundschaften werden durch gemeinsam bestandene Abenteuer und gegenseitige Unterstützung geschweisst. Heisst es auf der UTMB-Homepage. Freundschaften – beim Raufgehen, beim Runtergehen. Abenteuer – auf dem Berg, im Tal. Die Beine. Schwer. Der Schweiss. Nass. Klebrig. Überall.

Nur noch wenige Kilometer bis zur Rifugio Walter Bonatti. Wieder Bouillon? Heisse Bouillon? Schweiss. Rinnt runter. Nur runter. Überall. Kopf, Rücken, Beine. Brennt in den Augen.

Seit Tagen weit über 30 Grad. Auf dem Weg zum heissesten Juli seit Messbeginn. Hier, in Basel. Da dürfen die Gedanken in Tropennächten schon einmal verrückt spielen. Im Traum. Schweissgebadet. Kopf, Rücken, Beine. Das Übliche.

Der nächste Startschuss zur «Petite Trotte à Léon» fällt übrigens am 24. August um 17.30 Uhr mitten in Chamonix. Ist ein Montag. Sehr ungünstig. Werde also von einer Teilnahme absehen. Und stattdessen irgendwo auf einer schattigen Terrasse … ja, vielleicht genüsslich eine Bouillon schlürfen.

 


Quelle Vorschaubild Artikel:
Panorama über Chamonix: Adina Raul/Flickr/CC

 

 

 

«Wer Visionen hat, sollte lieber gleich zum Arzt gehen»
Getreu der Aussage des deutschen Altbundeskanzlers Helmut Schmidt werden in der Rubrik «Vision» in loser Folge etwas andere Laufveranstaltungen vorgestellt – natürlich ohne Einschränkung, die eine oder andere Vision dereinst Realität werden zu lassen.

Ein Kommentar zu «La Petite Trotte» der Hirnlappen

  1. Falls dich der »Mount Marathon Race« tatsächlich so interessiert, kannst du ja einmal mit dem »Alpine Marathon« trainieren. Die Anreise ist kürzer …

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