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Marathon-Ringkampf nach Walliser Art

Eigentlich fing alles ganz harmlos an. Ein Schnauben dort. Ein vehementes Kopfschütteln da. Dann blicken sich die Kontrahenten in die Augen. Zwei mächtige Kühe der Eringerrasse, wie sie für das Wallis wegen ihrer (Wett-)Kampfeslust längst zum Markenzeichen geworden sind: Ängu (Engel) und Tifel (Teufel). Nur noch wenige Tage bis zum Zermatt-Marathon. Und dann nimmt das Unheil seinen Lauf.

«Hast Du gehört? Er wird laufen», schnaubt Tifel.
«Wer?», schüttelt sich Ängu von Neuem.
«Na, er! Der Piriformis-Muskel spielt mit.»
«Nicht wirklich. Oder?»
«Doch.»
«Den Zermatt-Marathon?», fragt Ängu rhetorisch.
«Klar.»

Tifel lacht auf den wiederkäuenden Stockzähnen.

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Die Eringer Kühe Tifel und Angü im Clinch: Der Zermatt-Marathon naht … (Quelle: Valais Wallis/CC/Flickr)

«Sicher nicht den Ganzen», senkt Ängu entsetzt den Kopf.

Tifel schweigt. Und blinzelt. Die Hörner krachen ineinander.

«Wird er nicht!»
«Doch!»
«Nein!»
«Doch!»

Das Sägemähl spritzt durch die Luft.

«Unverantwortungsvoll», ist es nun Ängu, die schnaubt.
«Sissimos hat ihn mit Dry Needling gesund gestochen», entgegnet Tifel mit weit aufgerissenen Augen.
«Na und? Und dann so leichtfertig alles wieder kaputt machen?»

Die Hörner haben sich verhakt.

«Dir ifft wirkliff ernfft?», kämpft Ängu mit Sägemähl im Mund. «Zffai … pfff … zweiundvierzig Kilometer zum jetzigen Zeitpunkt? Mit verletzungsbedingt verspätetetem Trainingsbeginn, der jetzt auf einen Städte-Marathon im Herbst ausgerichtet ist? Fast 2000 Höhenmeter ohne Bergtraining in den Beinen? Riskieren, dass die Muskulatur erneut verhärtet und verklebt? Und so wieder Wochen und Monate zum Nichtstun verdammt ins Land ziehen und die Jahresplanung 2015 komplett über den Haufen geworfen wird? Dir ist wirklich ernst?»

«Was schlägst Du vor?», rollt Tifel verschämt die Augen.

Ängu richtet sich in ihrer ganzen Muskelpracht auf: «Kontrollierter Rennabbruch bei Rennmitte. Die Halbmarathondistanz und immerhin 500 Höhenmeter von St. Niklaus bis Zermatt möglichst schmerzfrei geniessen. Genau. Geniessen, dass sowas schon wieder möglich ist, nachdem noch vor wenigen Wochen alles andere als klar war, wann wieder längere Laufdistanzen überhaupt wieder zum Thema werden. Tönt das nicht auch cool? Hm?»

Tifel zögert: «… doch.» Und blickt ins Sägemehl.
«Eben.»
«Aber ein ganzer Zermatt-Marathon wär halt auch cool.»
Angü zögert: «Natürlich … ja.»
«Eben.»

Ein letztes Schnauben. Ein letztes Schütteln. Kuhglockengeläut.

Nur noch wenige Tage bis zum Zermatt-Marathon.

5 Kommentare zu Marathon-Ringkampf nach Walliser Art

  1. Irgendwie hört sich Ängu vernünftig an… aber wer ist schon gern vernünftig. 😁 In welcher Form auch immer: hab Spaß!

  2. Sie wird auch realistischerweise gewinnen. Glaube ich jedenfalls …

  3. Hoi Vloggy,
    köstlich geschrieben 🙂 Mein Gedanke ist ja auch, mit so wenig Training diiiiiiiese Strapaze…
    Nun denn, ich drücke Dir die Daumen. Aber ja keinen Blödsinn machen, gell?!
    Liebe Grüße
    Elke

  4. Und wie wir Rheinländer sagen: „Et hätt noch immer joot jejange“…
    Liebe Grüße
    Elke

1 Trackback / Pingback

  1. Zermatt-Marathon: Daten, Fakten, Lächeln | strohmRUN

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