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Höllischer Schmerz mit Matterhorn-Blick

Griechische Wurzeln. Ein ansteckendes Lachen. Und eine Portion Sadismus. Das sind die Zutaten für einen Termin in Baden. Zur Physiotherapie mit Nadeln. Sehr langen Nadeln.

Wer zur Physiositzung extra mit dem Zug von Basel nach Baden (und selbstredend wieder zurück) fährt, der hat mit Sicherheit zuhause auch ein schweineteures Körperanalysemessgerät (vulgo Körperwaage) herumstehen, das mangels Display im autonomen Gebrauch nichts anzeigt und für Laien deshalb auf den ersten Blick folglich nutzlos ist. Eben.

Sissimos L. (Name dem Bloggenden natürlich bekannt), der mit den griechischen Wurzeln, dem ansteckenden Lachen und der Portion Sadismus, ist quasi Specie Rara. Dry Needling, also die Triggerpunktbehandlung mit Akupunkturnadeln, gibt es zwar wie Sand am Meer – derart langes Werkzeug, das auch in die Tiefenmuskulatur vordringen und somit meinem Piriformis-Muskel an den Kragen gehen kann, wird indes nur von wenigen Therapeuten eingesetzt.

Physio und Sport am Bahnhof

Schmerzvoll, aber wirksam: Mit professionellem Dry Needling geht es dem verklebten Piriformis-Muskel endgültig an den Kragen. (Quelle: Physio & Sport am Bahnhof, Baden)

Nach den ersten drei Sitzungen ist klar: höllischer Schmerz – und das ist gut so. Denn die verklebten Muskeln werden getroffen. Nadel für Nadel wird reingeklopft. Steckt. Wirken lassen. Manuell nachjustieren. Es zuckt. Und löst. Und zwischendurch vergraben sich die Zähne im flauschigen Handtuch des Massagetisches. Was verbal nach «Au!» tönt, ist eigentlich als «Yes!» gemeint.

«Das musst Du sehen», entfährt es Sissimos L., begleitet von seinem ansteckenden Lachen. «Ein Volltreffer, ein Höhepunkt, das höchste aller Gefühle.» Und zeigt mir die Nadel, die mein Muskel beim Zucken und Lösen vor wenigen Sekunden verbogen hat. Besser gehe nicht, erklärt er. Stolz auf sich – und meinen Piriformis.

Seit dem Pfingstwochenende trainiere ich wieder nach individuellem Trainingsplan. Die Mischung aus Laufen, Personal-Krafttraining, Osteopathie und Langnadel-Dry-Needling zeigt Wirkung. Es geht aufwärts (und das auch ohne Tower Running, das ich am vergangenen Samstag zugunsten eines genüsslichen Rund-um-Chur-Laufs mit dem Coach sausen liess)! Der Trainingsumfang wird ebenso behutsam wie sukzessive wieder nach oben gefahren (hatte ich eigentlich erwähnt, dass ich somit in der Kategorie Tower Running nach wie vor ungeschlagen bin?). Eine stetige Gratwanderung zwischen Rückkehr zur Normalität und der Gefahr einer neuerlichen muskulären Überbelastung.

Morgen in einem Monat findet der Zermatt-Marathon statt. Der ist nach den gesundheitlichen Irrungen und Wirrungen eigentlich aus der Jahresplanung gestrichen. Da ich dann meine Ferien aber ohnehin am Fusse des vor 150 Jahren erstmals bestiegenen Matterhorns verbringen werde, schnappe ich mir wohl trotzdem meine Startnummer und laufe los. Vielleicht 10, vielleicht 15, vielleicht aber auch 21 Kilometer. Bis Zermatt. Und lass es dort gut sein – mit meiner Gratwanderung zwischen Rückkehr zur Normalität und euphorischem Übermut beim Blick aufs «Horu».

Gelingt dies, werde ich nebst der Halbmarathon-Distanz rund 500 (der insgesamt 1944) Höhenmeter in den Beinen haben. Und sieben Nadelsitzungen im Allerwertesten. Oder anders ausgedrückt: Höllischer Schmerz als Basis für Freude pur? «Yes!»

2 Kommentare zu Höllischer Schmerz mit Matterhorn-Blick

  1. Das klingt nach „Aua, aber gut“.
    Eine Nadel verbogen… oh Mann! 😀

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