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GPS – oder: Der Gadget-Pseudo-Stress

Das hat man nun davon. Da haut man einmal ein neues Gerät von TomTom in die Pfanne. Klebt dem Hersteller gleich noch das Etikett Sexismus an. Und mimt in Sachen GPS-Sportuhren beim Markenwechsel von Polar zu Garmin den Experten.

Und dann das: Ein unverfrorener Kerl gibt sich hemmungslos. «Du bist ja super im Vergleich von Produkten – vor allem bei Sportuhren», poppt die WhatsApp-Nachricht auf. «Jetzt habe ich die Garmin Vivoactive entdeckt und finde sie preislich sehr, sehr interessant. Hast Du die auch mal begutachtet, kannst Du dazu was sagen?»

Mein Gegenüber ist sich nicht bewusst, was diese Sätze bei einem Gadgetfreak auslösen: Stresssymptome, Selbstzweifel – ohne Ende. Wie jetzt? Ein neues technisches Spielzeug? Wurde der Garmin Forerunner 920XT zu früh gekauft? Oder gar leichtsinning? Erste Schweisstropfen. Hektisches Googeln. Klammern am Strohhalm namens YouTube. Und wo um alles in der Welt ist die Online-Bedienungsanleitung dieser verflixten Garmin Vivoactive zu finden? Ich brauche sie. Jetzt!

Denn auf den ersten Blick sieht das Teil vielversprechend aus. Stresssymptome. Vielleicht sogar alltagstauglich? Nein. Das dann doch nicht. Dafür wirkt sie «billig». Durchschnaufen. Garmin sei ein «netter» Wurf gelungen (aus Sportleroptik: günstiger als die Apple Watch), heisst es in praktisch allen unabhängigen Testberichten unisono – aber man müsse nachlegen. So wird etwa der Kontrast des Bildschirms bemängelt. Zugegeben: Sie, die sich in die Vivo-Reihe einfügt, kann viele Dinge, die auch der rund doppelt so teure Forerunner 920XT drauf hat. Und das sogar mit Touchscreen.

garmin_vivoactive_youtube

Auf YouTube längst ein Klassiker – erst recht für Gadgetfreaks: Das Auspacken, das sogenannte «Unboxing», eines neuen Spielzeugs wird gefilmt. (Quelle: JimReviewRoom/YouTube)

Und doch gibt es Unterschiede, die nicht nur nutzlose Gimmicks sind: So lassen sich bei der Vivoactive keine Trainings (beispielsweise Intervalle) programmieren und auf die Uhr laden. Ätsch! Und was ist das? Beim Teutates, sie kann keine Höhe! «Sie kann kein Höhe!», wiederhole ich triumphierend lauthals – wische mir einen Schweisstropfen von der Stirn und sehe die Selbstzweifel von dannen ziehen. Höhe anzeigen ja, Rechnen – also jeweils aktuellen Auf- und Abstieg einer Trainingseinheit – nicht. Wie viele andere auch nicht. Meine, der vermeintlich leichtsinnige Schnellschuss, schon. Doppel- und Dreifachätsch!

Nun gut, sehe ich schon die besserwissenden Zeigefinger in die Höhe schiessen, es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis im Garmin-App-Store namens Connect IQ entsprechende (von privater Seite programmierte) Datenfelder ergänzbar sein werden. Trotzdem ist es für mich nicht nachvollziehbar, weshalb sowas nicht überall dort, wo das Gerät die Basisdaten ohnehin messen kann, nicht standardmässig mit drauf ist. Dafür werden beim Vivoactive der Sonnenaufgang oder die Aussentemperatur angezeigt – Letztere mit dem Warnhinweis, dass diese auf Grund der Körpertemperatur notabene verfälscht werden könnte. Ach …

Den unverfroren fragenden Kerl versorge ich via WhatsApp mit den nötigen Kommentaren. «Sie kann im Gegensatz zum Forerunner 920XT kein WLAN», mime ich von Neuem den Experten. «Diese Synchronisationsart liebe ich mittlerweile: Kaum zurück in der Wohnung ist die Aktivität auf Garmin Connect übertragen.» Für mein Gegenüber scheint das nur noch eine untergeordnete Rolle zu spielen: «Der Preisunterschied ist einfach frappant, man müsste mal eine ausprobieren.» Drei Smileys untermauern, dass sein Kaufentscheid in diesem Moment gefällt ist.

Ich meinerseits wische mir derweil den letzten Schweisstropfen von der Stirn. Alles richtig gemacht. Nichts zu früh gekauft, nichts leichtsinnig. Übung beendet. Ein ganz normaler Tag im Leben eines Gadgetfreaks.

 

RizKnows mit seinen aktuellen Top-5-GPS-Uhren

3 Kommentare zu GPS – oder: Der Gadget-Pseudo-Stress

  1. Amüsant und interessant zu lesen…ich persönlich bin ja ein Fan von der Suunto Ambit.Jetzt müsste ich die auch mal mit der Forerunner 920 vergleichen 🙂
    LG vom Sempacherrennen Corinne

    • Dann wünsche ich natürlich viel Spass und Erfolg! Hatte den Lauf auch mal kurz auf dem Radar, aber noch sind 21,1 km für meinen Fudimuskel zuviel – aber es geht aufwärts!

      Liebe Gruess, Vloggy

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