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Elba-Laufwoche im Zeichen der Birne

Daten und Fakten: Eine Woche auf Elba, knapp 90 Kilometer Distanz, dazu fast 1800 Höhenmeter. Das war 2014. Heuer sind es 30 Kilometer weniger, dazu «fehlen» rund 200 Höhenmeter. Enttäuscht? Mitnichten. Im Gegenteil!

Gleich die Auftaktetappe der Toscatours-Laufwoche – genau heute vor Wochenfrist – hat es in sich: 16 Kilometer haben sich Ruedi Frehner und Reto Hunziker ausgedacht. Doch die Vernunft siegt: Nach 10 Kilometern besteige ich in Porto Azzuro den Bus. Und lache zufrieden. Zur Erinnerung: Es ist zu diesem Zeitpunkt viereinhalb Monate (!) her, dass ich letztmals diese Distanz läuferisch an einem Stück zurücklegen konnte. Damals, an jenem 14. Dezember 2014, folgten danach der Gang zur Hausärztin, die Diagnose Piriformis-Syndrom – und eine lange Zeit der Ungeduld mit Rückschlägen.

Elba 2015 soll endgültig den Wendepunkt markieren. Die Mission gelingt. Auch am dritten Tag ziehe ich die Option des vorzeitigen Bustransfers – und trotzdem summieren sich in den fünf Trainingsläufen mit einer absolut genialen Truppe insgesamt 60 Kilometer. Angezeigt vom neuen Technik-Wunderwerk namens «Garmin Forerunner 920XT», das – auf den letzten Drücker am Freitag vor Abreise im Briefkasten gelegen – in der Toskana seine Feuertaufe erlebt (die technischen Eindrücke folgen). 60 Kilometer trotz Auto-Pause-Einstellung, die immer dann die Aufzeichnung stoppt, wenn die Geschwindigkeit auf Null sackt.

In einer Trainingswoche, in der während der Laufeinheiten auch technische Übungselemente eingebaut werden, grundsätzlich nicht schlecht; so muss nicht dauernd der Pause- und Start-Knopf betätigt werden, um eine einigermassen repräsentative Nettozeit ausgespuckt zu erhalten. Diese Auto-Pause-Einstellung erfordert aber auch mentale Stärke – beispielsweise dann, wenn zwischen Procchio und Biodola ausgerechnet beim kräftezehrenden Klettern über unwegsames Steingelände am Strand die Uhr in Verschwörung mit den GPS-Satelliten vermeintlichen Stillstand ausmacht.

Reto Hunziker und Ruedi Frehner bei der täglichen Routenplanung: Herausgekommen sind fantastische und eindrückliche Touren – und die Vermittlung von wertvollem Läufer-Knowhow.

Jener letzte Tag wird ohnehin zur Tour mit den meisten Schlagzeilen: ausgewaschene Trails, die der Beinmuskulatur noch einmal alles abverlangen, Treppensteigen entlang der Küste – und gleich zwei verschlossene Gitter. Bei Nummer eins, einem Höhlendurchgang kapitulieren wir: Von 8 bis 18 Uhr sei dieser täglich offen, heisst es auf der Tafel – da darf man kurz nach 11 Uhr also nicht zuviel erwarten. Erst recht nicht am Tag der Arbeit.

Beim mehrfach kettengesicherten Eingang zu einem kurzen Stück Nationalpark hieven wir gruppendynamisch einwandfrei eine Kollegin über den Zaun, bevor meinereiner mit dem Trinkgurt an selbigem, dem Zaun, hängenbleibt. Auto-Pause signalisiert mein Forerunner 920XT. Stimmt. Und zwar sowas von. «Ich opfere mich, zieht ohne mich weiter», rufe ich der Gruppe in bester Western-Manier selbstlos zu – bevor meine Trinkflasche wie von Geisterhand (danke, Mändu) einen Ruck erfährt. Wenige Zeit später treffen wir auf ein Trio der Sorte Armani-Sportswear-Jogger: Sie quittierten unsere Frage, ob der Park auf der anderen Seite ebenfalls geschlossen sei, mit verdattertem Blick. Ein paar Kilometer weiter stellen wir fest, dass die Zugangssperre in der Tat nur einseitig angebracht ist. Südeuropäische Perfektion, dafür mit umso knacksicherer Hochsicherheitsverriegelung. Erst recht am Tag der Arbeit.

Mit etwas mehr als 16 Kilometern (und stolzen 435 Höhenmetern) wird inmitten einstiger Eisenerzabbaugebiete (mit gespenstisch-verlassener Mine bei Innamorata) und mit Ziel im malerischen Capoliveri am zweitletzten Tag übrigens auch die klassische Grand-Prix-Distanz von zehn Meilen simuliert – natürlich mit Blick auf das Laufvolksfest in Bern vom kommenden Wochenende. Und für mich mit der klaren Erkenntnis, dass es für das Wettkampftempo noch zu früh ist. Der Piriformis hat sich täglich nach spätestens gut zehn Kilometern bemerkbar gemacht. Irgendwo im steilen Abstieg huscht mir nebst temporär stechendem Schmerz im Bein ein möglicher Titel meiner potenziellen Memoiren durch den Kopf: «Mein Leben mit dem Birnenmuskel.»

Auf dem Dorfplatz von Capoliveri ziehe ich mir ein trockenes Hemd über, tupfe mir den Schweiss von der Stirn (tönt eleganter als: wringe mein pflotschnasses Käppi aus) – und stürme zielstrebig in die nächste Gelateria: «Pera!» Was denn sonst?!

elba_gruppe

Die Elba-Laufgruppe vor dem letzten Trainingslauf (von links nach rechts): Doris, Ruedi (aka «Der Coach»), Luzia, Mändu (kniend), Patrick, Vloggy (aka «strohmRUN»), Thomas, Maggie, Chriga und Reto.

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  2. Tempo Teufel durchs #mirschaffendas-Wochenende | strohmRUN

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