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Tatort Matterhorn: Edward Whymper als Wendepunkt

Wenn schon verletzt, dann muss es auch so richtig dramatisch klingen. Patient eines Digitus-Pedis-Anpralltraumas mit einhergehender Fraktur – damit lässt sich leben. Und soll jetzt ja niemand behaupten, diesen Begriff gäbe es in der Welt der Medizin nicht. Spielverderber!

Ganz ehrlich und unter uns: Tönt doch viel cooler als Zehenbruch – und wegen eines nahezu mikroskopischen Knochenschadens, der in der Entstehung (menschliche Extremität gegen schwedisches Interieur) nicht dämlicher sein könnte, erneut mindestens vier, realistischerweise eher sechs Wochen mit dem Lauftraining aussetzen. Hätte sich Edward Whymper davon bremsen lassen? Der Engländer, der am 12. Juli 1865 nach Zermatt gereist war und mit Schrecken festellen musste, dass sein italienischer Freund und Bergführer Jean-Antoine Carell im Wettrennen der Matterhorn-Erstbesteigung ohne ihn losgelaufen war?

Gut möglich. Ja.

Aber wieso ausgerechnet Whymper? Die Parallelen sind … naja … doch etwas grösser als nur marginal. Weil durch die neuerliche Trainings- und Vorbereitungspause die Teilnahme am Zermatt-Marathon vom Tisch ist, werde auch ich am 3. Juli 2015, also knapp 150 Jahre nach dem britischen Bergsteiger, leicht gereizt und mindestens so enttäuscht ins Matterhorndorf reisen. Ausgerechnet in diesem Jahr, wo der Lauf – mit zugegebenermassen in der Tendenz doch eher vernachlässigbaren Medaillenchancen meinerseits – als Berglauf-Weltmeisterschaft zählt. Und ausgerechnet in diesem Jahr, in dem die Erstbesteigung des schönsten Bergs der Welt gebührend gefeiert wird.

Die Geschichte von 1865 ist bekannt: Whymper wird Carell auf dem Gipfel zuvorkommen, doch beim Abstieg kommt es zum Drama – nur drei Männer der siebenköpfigen Seilschaft kehren ins Dorf zurück. Es folgen Verleumdungen, Mutmassungen und Beschuldigungen. Was genau geschah, bleibt bis heute ungeklärt. Niemand wird verurteilt und die Akte während 55 Jahren unter Verschluss gehalten.

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«The Matterhorn Story», die an den 150. Jahrestag der Erstbesteigung erinnert, wird vom 9. Juli bis 29. August 2015 als Freilichttheater auf dem Gornergrat aufgeführt.

Noch heute, rund 150 Jahre später, fesselt die Tragödie, die gleichzeitig als Sternstunde im Alpinismus gilt: «Tatort Matterhorn», heisst ein zweiteiliger Dokumentarfilm, den das Schweizer Fernsehen SRF am 26. März und 2. April ausstrahlt. Und ab dem 9. Juli wird während fast zweier Monate «The Matterhorn Story» als höchstgelegenes Freilichttheater Europas auf dem Riffelberg aufgeführt. Dessen «Key Visual» vulgo Plakat hat mich gepackt: Einerseits sind Premierentickets gekauft – und anderseits soll der entschlossene Geschichtsausdruck Whympers stellvertretend für meinen weiteren Saisonverlauf stehen.

Kommenden Donnerstagmorgen nehme ich virtuell Pickel und Seil in die Hand und absolviere mein erstes Personal Training im Bereich Kräftigung. Digitus-Pedis-Anpralltrauma hin, Zehenfraktur her. Das Motto: «I’ll be back» – wenngleich ich jetzt wohl gerade zwei Heldengeschichten gehörig miteinander vermische …

«The Matterhorn Story»
Freilichtspiele Zermatt, Riffelberg-Gornergrat
9. Juli bis 29. August 2015
Online-Tickets

2 Kommentare zu Tatort Matterhorn: Edward Whymper als Wendepunkt

  1. Hoi Vloggy,
    „Wenn das Leben Dir Steine in den Weg legt, bau Dir eine Brücke draus!“ hat mal ein guter Denker gesagt.Tja, das ist ziemlich ärgerlich und ich drücke Dir heftigst die Daumen, dass der Heilungsprozess gut voranschreitet. Immerhin hast Du mir mit dem Matterhornbezug einen guten TV-Tipp gegeben. Wir sind ja in Besitz eines SRF-Zugangs (da schau ich lieber das Original, als irgendwann später eine synchronisierte Fassung). Die Open-Air-Vorstellung ist sicherlich atemberaubend, in der Originalregion. Ja und wie ich sehe, planst Du ja für den 4.10. ein anderes Event, das Dir hoffentlich ansatzweise einen kleinen Trost bieten kann… 😉
    Liebe Grüße und gute Besserung!
    Elke

    • Sali Elke

      Danke für die aufmunternden Worte. Ja, ich brauche Ziele – sonst klappt nix. Das motiviert und lässt Neues entstehen.

      Als totaler Matterhorn-Fan werde ich natürlich alles daran setzen, 2016 bei meiner zweiten Zermatt-Marathon-Teilnahme stärker denn je zurückzukehren.

      Liebe Gruess

      Vloggy

1 Trackback / Pingback

  1. Höllischer Schmerz mit Matterhorn-Blick | strohmRUN

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