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München-Marathon: Mit Helene Fischer auf Schnappszahlenjagd

Perfektes Wetter, mit über 21’000 Läuferinnen und Läufern (inklusive Halbmarathon, 10-km-Lauf und Staffel-Wettbewerb) ein neuer Teilnehmerrekord und gemäss Medienberichten rund 80’000 Zuschauer am Streckenrand – dies die Fakten zum 29. München-Marathon am gestrigen Sonntag. Unter den rund 7760 Unentwegten, die sich für die 42,195 Kilometer lange Hauptstrecke entschieden hatten: ich.

Die ursprüngliche Ausgangslage: Den persönlichen Marathon-Rekord, gelaufen mit 4:23.48 Stunden im Vorjahr in Köln, erneut unterbieten. Dann kam der entzündete Grützbeutel – und mit ihm ein mehrwöchiger Trainingsunterbruch im dümmsten Moment. Trotzdem wird der virtuelle Partner an meiner Garmin-Uhr kurz vor 10 Uhr im Münchner Olympiagelände auf eine Pace von 6:05 Minuten pro Kilometer eingestellt, was einer Endzeit von etwas mehr als 4:15 Stunden entsprechen würde. Mit anderen Worten: Solange ich dem kleinen Männchen auf dem Uhrendisplay nicht mehr als acht Minuten hinterhechle, befände ich mich auf Rekordkurs.

Bis Kilometer 24 geht die Rechnung perfekt auf – dann schmilzt die Reserve nicht nur angesichts der weit über 20 Grad an diesem prächtigen, auf den weiten Asphaltzügen (in Bogenhausen oder am Ostbahnhof) zeitweise aber fast zu heissen Herbsttag. Die fehlenden kilometerfressenden Trainingsläufe machen sich bemerkbar, der Rücken beginnt zu klemmen und strahlt ins linke Knie. Die Bestzeit ist bis Kilometer 33, wo mein Betreuerteam* zum dritten Mal auf mich wartet, längst definitiv weg. Und auch das Unterbieten der zweitbesten Marathonzeit (4:43.44 Stunden, 2006 ebenfalls in München, allerdings in damals noch umgekehrter Streckenführung) wird eng. Aufhören? Ja, für einen Moment ist dieser Gedanke tatsächlich da. Das Team drückt mir eine Cola-Flasche in die Hand. Es geht weiter.

Gut zwei Kilometer später ist die Schlaufe um die Technische Universität München absolviert. Zwei Kilometer, neuer Mut, mobilisierte Reserven: «Umdreh’n wär jetzt auch blöd», ist auf einem Plakat zu lesen – «aufhör’n ebenso», denke ich mir. Dass ich das Ziel erreiche, ist doch eh keine Frage. In welcher Zeit? Das blende ich definitiv aus. Greife nach dem Mezzo-Mix, den mir das Team entgegenstreckt. Flasche leer, aber nicht bei mir. Dafür die Lebensgeister geweckt. Derart sogar, dass ich das heimliche Hauptziel des Tages mit Bravour erfülle: Eleganter ins Münchner Olympiastadion einlaufen als bei der letzten Teilnahme 2009. Damals hatten Rückenprobleme zu einem klemmenden Knie geführt, das auf den letzten Kilometern das Rennen verunmöglicht hatte. Und Gehen ist auf der altehrwürdigen Bahn irgendwie uncool. Das ist nun Geschichte. Der Makel eliminiert. Die offene Rechnung beglichen.

München-Marathon Einlauf Olympiastadion

Der Zieleinlauf im Münchner Olympiastadion: Zunächst die klare Positionssignalisation für das Coaching-Team mitsamt Fotografin auf den Rängen, dann der Endspurt, der noch wichtige Sekunden bringt – und vor allem deutlich eleganter als bei der Teilnahme 2009 aussieht. (Foto: Isa Wyss)

Auf den letzten zwei, drei Kilometern läuft es nämlich wieder besser, die Kilometerzeiten liegen nun deutlich unter sieben Minuten – für den Endspurt Richtung Olympiastadion drücke ich die Pace sogar unter die Marke von sechs Minuten. Das Marathontor, die Bahn, das Ziel, die Medaille, das Weissbier. Der achte Marathon ist erfolgreich absolviert. Für die zweitbeste persönliche Zeit reicht es letztlich nicht: Statt 4:43.44 werden es 4:44.43 – Schnappszahlen in der Bier-Metropole. Immerhin: drittbeste Zeit.

Und unter dem Strich? Der ersten Enttäuschung zum Trotz eine gehörige Portion Zufriedenheit! Denn schliesslich hätte es noch viel schlimmer kommen können: Nur zwei Mal ertönt nämlich entlang der 42’195 Meter aus den Boxen Helene Fischers «Atemlos» – beim zweiten Mal sogar umgehend neutralisiert durch Queens «We Will Rock You». Ja, ich werde rocken. Das Marathon-Jahr 2015. Grützbeutelfrei. Versprochen.

München-Marathon 2014

Mann mit Medaille: Unter dem Strich dann eigentlich doch ganz zufrieden. (Foto: Isa Wyss)

* Ein ganz herzlicher Dank geht an meine geliebte Angeehelichte Isa Wyss, die mich auf dieser Marathonreise einmal mehr uneigennützig und optimal unterstützte. An die liebe und enge Freundin Annette «Dubi» Spiekermann, die uns nicht nur eine postmoderne holzigheimlige Unterkunft bot, sondern zusammen mit Isa einen Sonntag lang ebenfalls etliche Kilometer professionell-betreuenderweise (Powergel flüssig, Powergel Gummi, Cola, Mezzo-Mix und Fahrdienst zum Olympiapark) abspulte. Und natürlich an Ruedi Frehner alias «Coach» für die allewyl hervorragende Trainingsplanung und -unterstützung im Vorfeld und beim Analysetelefon danach.

4 Kommentare zu München-Marathon: Mit Helene Fischer auf Schnappszahlenjagd

  1. Hallo Vloggy,
    herzliche Glückwünsche zum gefinishten Marathon! Ist ja erklärlich, warum es mit dem ursprünglich gesteckten Ziel nicht geklappt hat. Dass Du dennoch durchgehalten hast, ist Dein Erfolg! Ist und bleibt eben so, dass ein solcher Lauf einfach nicht programmierbar ist, da hast Du die richtige Einstellung: Freude herrscht und nächstes Jahr auf ein Neues!
    Und nun aber: Gute Züglete!
    Liebe Grüße
    Elke

  2. Sali Elke

    Herzlichen Dank für die Glückwünsche. Auch heute ist die Zufriedenheit noch grösser als die Enttäuschung – dafür schwirren schon viele Gedanken für das Laufjahr 2015 im Kopf herum. Und dann stehen ja bis zum Jahresende noch ein, zwei kürzere Stadtläufe an.

    Doch bevor wieder wettkampfmässig gerannt wird, ist in der Tat Zügeln in all seinen Wortbedeutungen angesagt. Und bei Dir gilt es dann in zwei Wochen die Daumen zu drücken, gell?

    Liebe Gruess

    Vloggy

  3. Hoi Vloggy,
    wenn Daumendrücken, dann bitte diesen Sonntag … 😉
    Das ist doch prima, wenn die Zufriedenheit noch weiter steigt! Ich finde immer, vom Hochgefühl eines solchen Marathons zehrt man noch eine ganze Weile.
    Und welche Stadtläufe hast Du ins Auge gefasst?
    Liebe Grüße
    Elke

  4. Amsterdam, 19. Oktober – genau, wird natürlich gemacht!

    Sicher werde ich beim Basler Stadtlauf (29.11.) dabei sein, den ich nach 25 Jahren erstmals wieder als echtes Heimspiel austragen kann. Offen ist noch, ob ich wieder beim Zürcher Silvesterlauf an den Start gehe. Und je nach Feiertagsplanung ist auch der Gippinger Stauseelauf reizvoll: Dieser findet am Silvestertag statt und bildet so einen tollen Auftakt für eine allfällige Völlerei am Abend…

    Liebe Gruess, Vloggy

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