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München-Marathon: Countdown mit Plattitüden

Alles neu macht der Oktober. Und wie! Nach dem medizinisch und mental bedingten rund dreiwöchigen Unterbruch lief die Vorbereitung für den München-Marathon so ziemlich aus dem Ruder. Dazu ein neuer Job und allerlei Kartonkisten in der Wohnung. Oder anders ausgedrückt: Nach der Trainingspause ist vor der Ungewissheit. Vorhang auf für allerlei Plattitüden.

Der Begriff stammt aus dem Französischen («Flachheit», «Plattheit») und wurde von der deutschen Oberschicht als gehobener Begriff für einen Gemeinplatz, eine inhaltsleere Plattheit oder Seichtheit gebraucht.

Mit vier Aktivierungsläufen galt es in den vergangenen acht Tagen, in Blöcken zwischen 6 und 10 Kilometern Schuhe und Gemüt laufen zu lassen, das Marathon-Tempo zu antizipieren und dabei den Ball flach zu halten. «So direkt nach einem Training ist eine genaue Analyse schwierig», hätte ich – sofern vorhanden – jeweils in die laufende TV-Kamera geschwafelt. Und dies noch nachgeschoben: «Ich muss das jetzt in aller Ruhe anschauen und die Punkte, die nicht funktioniert haben, mit mir offen ansprechen.» Mit einem Klaps auf die Schulter des nervigen Reporters hätte ich mich in Richtung Dusche verabschiedet.

Plattitüdenfrei heisst dies soviel wie: Es ist eine gehörige Portion Unsicherheit vorhanden, wohin die Reise am kommenden Sonntag gehen wird. Die ersten 30 Kilometer mit regelmässiger Pace (irgendwo im Bereich von 6:10 bis 6:15 Min./km) wären nüchtern betrachtet schon ein toller Erfolg, denn wegen der Grützbeutel-Entfernung waren kilometerfressende Läufe im Hinblick auf die bayerische Biermetropole komplett Fehlanzeige. Mit anderen Worten: Der letzte Longjogg (über 30K) umfasste 42,195 Kilometer und knapp 2000 Höhenmeter, geht auf Anfang Juli zurück – und nannte sich Zermatt-Marathon.

Ganz ehrlich? Ein persönlicher Marathon-Rekord beim Zieleinlauf im Münchner Olympiastadion läuft natürlich irgendwo im Hinterkopf schon mit – erst recht nach dem heutigen Lauf, der mit einer Pace zwischen 5:56 und 6:03 Min./km von A bis Z geglückt ist und deshalb («Seid umschlungen, ihr Plattitüden!») gerade mental wichtig für die kommende schwere Aufgabe sein wird. «Es gibt heute keine einfachen Marathons mehr», resümiere ich in die virtuelle Kamera.

cszar/CC/Flickr

Als Höhepunkt des München-Marathons wird jeweils eine Runde auf der Bahn im Olympiastadion gelaufen. (Foto: Matthias Weinberger/cszar/CC/Flickr)

Doch nicht nur dieser Funke Euphorie war heute Trainingspartner, auch Wehmut – handelte es sich doch um den letzten Trainingslauf rund um Frick. Ende Monat werden die eingangs erwähnten Kartonkisten gefüllt und verklebt sein, das neue Trainingsgebiet heisst ab November dann Basel und Umgebung.

Bis zum Startschuss am kommenden Sonntag um 10.20 Uhr ist nun aber vorerst «Tapering» angesagt. Nach erfolgter Schussabgabe werde ich nicht weniger als drei Mal das Siegestor passieren, das an der Grenze zwischen den Münchner Stadtvierteln Maxvorstadt und Schwabing steht. Und spätestens bei der dritten Passage kurz vor Kilometer 37 werde ich mir Auge in Auge mit diesem Triumphbogen hoffentlich eine weitere Plattitüde nicht verkneifen können: «Nomen est omen!»

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Drei Mal wird das Siegestor von den Läuferinnen und Läufer des München-Marathons passiert. (Foto: digital cat/CC/Flickr)

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