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Greifensee-Triple mit schimmligem Beigeschmack

Wenn am Samstag-Nachmittag um 15.33 Uhr der 7. Block auf die rund 21,1 Kilometer lange Strecke des 35. Greifenseelaufs geschickt wird, habe ich meinen persönlichen Rekord schon im Sack: Nach 2007 und 2009 muss ich nämlich zum dritten Mal trotz Anmeldung passen. So oft habe ich noch keinen anderen Wettkampf sausen lassen müssen. Schuld daran ist der entzündete Grützbeutel, in einer gewählteren Ausdrucksform auch bekannt als Atherom: Dessen Entfernung fordert buchstäblich Opfer.

Nach dem Schnitt am Bauch wurde die Wunde bekanntlich nicht genäht, sondern soll auf natürliche Art und Weise wieder zusammenwachsen. Dagegen ist aus medizinischer Sicht nichts einzuwenden – dumm nur, dass ich dieses (schon wieder: buchstäblich) blutrote Loch am Dienstagmorgen beim ersten Verbandswechsel mehr oder weniger versehentlich im Spiegel gesehen habe. Das Resultat: Beim anschliessenden Ausduschen der Wunde gehe ich zwei Mal kreislauftechnisch (es muss sein: buchstäblich) zu Boden. Der Grund: In Sachen Wunden, vor allem am eigenen Körper, bin ich ein Weichei! Punkt. Mit Ausrufezeichen!

Mit einem kurzen Aktivierungslauf habe ich gestern Abend getestet, ob – nebst dem Arzt – auch ich mir selbst für den Halbmarathon grünes Licht erteilen kann. Doch der Kopf ist nicht frei: Anfänglich habe ich bei jedem Schritt das Gefühl, dass die Wunde auf- und zuklappt. Das ist natürlich blanker Unsinn – aber es sind gleichzeitig Bilder, die man so leicht nicht aus dem Kopf bekommt. Schmerzen verspüre ich keine, doch der Verband ist trotz zusätzlichem Profi-Folienpflaster nicht über alle Zweifel erhaben. Würde dies beim deutlich längeren Lauf um den Greifensee passieren, hätte ich in erster Linie ein mentales Problem: Ein eigenhändiger Verbandswechsel ohne die in den vergangenen Tagen grandiose Assistenz meiner Frau liegt nicht drin. Keine Chance! No way! Grund siehe oben: Ich bin ein Weichei! Mit Doppel-Ausrufezeichen!!

Lassen wir also schweren Herzens Vernunft walten: Bis zur nächsten Arzt-Konsultation am Montag-Nachmittag werden Läufe und Trainings gestrichen. Danach gibt es eine neue Standortbestimmung. Der dritte (sic!) Marathon-Start in München soll jedenfalls unter keinen Umständen aufs Spiel gesetzt werden, auch wenn – der ebenso unpassenden wie ärgerlichen Trainingspause geschuldet – unter dem Strich eventuell kleinere Brötchen gebacken, nein, kleinere Weisswürste gewärmt werden.

A propos Essen: Heute Abend, just in dem Moment, als das Datasport-SMS mit den Glückwünschen für den morgigen Greifenseelauf auf meinem iPhone aufpoppt, lese ich meiner Frau einen Artikel der «Tageswoche» vor. In Basel wird der «Grüne Heinrich» wiederbelebt – jene Baiz, die damit das einst berüchtigte «Bermuda-Dreieck» wieder komplettiert. Ein Blick in die Speisekarte zeigt, dass unter anderem «Luma Beef Rindshohrückensteak» angeboten wird. «Ah», frohlocke ich – und kann Aufklärungsarbeit betreiben, weil wir in meiner Zeit bei der «Handelszeitung» über diese Delikatesse berichtet hatten.

«Wir», das ist in diesem Fall ganz konkret Tobias Keller – ein guter Freund, im Sommer nach Schweden ausgewandert und diese Woche als Protagonist mit seiner «Expedition Denali» auf Tele Züri zu sehen – als Autor und Fotograf. Meine Frau, die mir täglich das Loch im Bauch tupft, salbt, stopft, verbindet und für die Fernbeurteilung durch den Arzt auch schon mal kurzerhand fotografiert, betrachtet die Bilder mit dem schimmligem Fleisch. Sie schluckt leer. Appetit habe sie jetzt keinen mehr, sagt sie. Ich dagegen klicke mich noch einmal durch die Bildergalerie von Tobias, freu mich auf den «Grünen Heinrich» und mein erstes «Luma Beef». Ich bin ja kein Weichei.

Tobias Keller

Fleisch mit Schimmelpilz – eine Delikatesse. Zugegeben: Für diesen Artikel habe ich dasjenige Bild gewählt, das auch optisch als kleiner Appetitanreger durchgehen könnte. Könnte, nicht muss. (Foto: Luma)

Randnotiz zum Thema Triple: Auch Ruedi Frehner aka «Der Coach» wird auf Grund einer diese Woche erlittenen Verletzung am Greifenseelauf übrigens nicht starten können. Und auf «Hugos Laufblog» lese ich heute, dass dessen Autor Hugo Klaus wegen eines hartnäckigen Hustens forfait erklärt, um seine Teilnahme am München-Marathon nicht zu gefährden. Auch hier eine Triplizität der Ereignisse. Und ihnen beiden: gute Besserung!

Beitragsbild: Greifensee mit Blick auf Uster
(Quelle: ponte1112/Bruno Hotz/CC/Flickr)

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