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Verschobene Grenze: Val Müstair am Zürichsee

Irgendwo nach Bilsten, als die Sonne an diesem Sonntagmittag gnadenlos auf den Asphalt knallt und sich die von meiner Uhr angezeigten Höhenmeter rapide vermehren, stellt eine der Mitläuferinnen Streckenplaner Reto Hunziker die Frage: «Wo sind wir eigentlich?» «An der Grenze des Val Müstair», antwortet dieser prompt. Und unser Blick schweift nach rechts über den Zürichsee.

Nein. An den Verpflegungsposten wurden wirklich nur isotonisches Getränk, Cola und Wasser ausgeschenkt. Auch sind es keine Vorboten eines Sonnenstichs, die uns drei keinen Moment daran zweifeln lassen, dass wir im Aufstieg unterhalb des Etzel irgendwie auch im Engadin unterwegs sind.

Das hat einen einfachen Grund: «Gemeinsam Grenzen verschieben», heisst das Projekt, das Reto Hunziker und Ruedi Frehner (aka «Der Coach») am Samstag gestartet haben. Neun Marathons in neun Tagen, resultierend aus dem Grenzverlauf einer im Massstab 1:5 geschrumpften Schweizer Karte. Und so kommt es, dass die zweite Etappe von RUEDIRENNT 2014 in jenem Moment den südöstlichen Zipfel der eidgenössischen Landesgrenze nachbildet – auf einer Etappe, die in Tat und Wahrheit von Hombrechtikon über Rapperswil nach Pfäffikon, Feusisberg und Einsiedeln führt.

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Das klassische Vorher-Nachher-Gefühl auf Foto festgehalten: Samstag-Vormittag auf dem Sechseläutenplatz und …

Mit dem gemeinsamen Verschieben der Grenze im Projektitel ist aber nicht nur dieses massstabsgetreue Schrumpfen gemeint, es soll dieser Tage durchaus auch im übertragenen Sinn gelten: etwa was die sportlichen Leistungen anbelangt, aber insbesondere auch was das Engagement für wohltätige Zwecke angeht. Bereits im Vorfeld des diesjährigen Projekts wurde kräftig Geld gesammelt – etwa durch einen Sponsorenlauf in Chur.

Mir baut Ruedi unter anderem die ersten beiden Etappen in den Trainingsplan für mein «Projekt Weissbier», den München-Marathon Mitte Oktober, ein. Heraus kommen je gut 20 Kilometer, am Samstag (zwischen Zürcher Sechseläutenplatz und Neue Forch) angereichert mit 523 Höhenmetern, heute (zwischen Rapperswil und Feusisberg) sogar mit deren 694.

Unterstützt werden die Haupt-, aber auch alle Begleitläufer durch ein Top-Team (Renata Frehner, Andrea Frehner, Jacqueline Hunziker), das zirka alle fünf bis sechs Kilometer mit einem fliegenden und ebenso professionell eingerichteten Verpflegungsstand aufwartet. Heute bin ich um jeden Tropfen froh, den der Iso-Behälter auswirft. Diese Temperaturen sind nicht meine. Für einen Moment (zugegeben: für mehrere Momente) schiessen mir Gedanken durch den Kopf, ob ich mich nach erfolgreicher Premiere in Zermatt wirklich intensiver mit dem Thema Berglauf beschäftigen soll. Der vermeintliche Bergfloh mutiert in einigen Kehren des heutigen Laufs jedenfalls zur voralpinen Wegschnecke.

Und dennoch: 40,5 Kilometer und über 1200 Höhenmeter als Wochenend-Trainingsbilanz dürfen sich sehen lassen. Kommenden Samstag und Sonntag bin ich beim Projekt wieder dabei (nicht zuletzt dank Super-Shuttle-Service meiner Frau Isa!). Der 16. August mit Start in Gränichen ist ohnehin Pflicht: Dann befinden wir uns mitten im Aargau nämlich irgendwie auch in meiner Heimat Basel. Verschobene Grenzen machen es möglich.

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… und meinereiner zwei Mal gut 20 Kilometer und über 1200 Höhenmeter später am Sonntag-Nachmittag in Feusisberg. Am kommenden Wochenende wird das Projekt nochmals auf 23 respektive 27 Kilometern begleitet. (Fotos: Isa Wyss)

Quelle Beitragsbild (Impression aus Lü): cammaert/CC/Flickr

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  2. RUEDIRENNT: Mittendrin mit grossem Stolz | strohmRUN

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