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Mount Marathon Race: Blut, Schweiss und Laufschuhe

Ja, das Filmchen gefiel mir – sogar so sehr, dass ich vergangene Woche auf Facebook den «Teilen»-Knopf drückte und folgende launige Zeile drüberschrieb: «Kleine Motivationsspritze für alle die, die es nicht so mit flacher Streckenführung haben?»

Ob ich schon angemeldet sei, wollte eine Freundin (auf Facebook und im echten Leben – ja, das gibt’s!) flux wissen. «Ist mir zu kurz, ich mag solche Sprint-Veranstaltungen nicht», konterte ich geschickt. Und dennoch liess mir dieses «Mount Marathon Race» in Alaska keine Ruhe.

Wieder ein Fall von postmarathonaler Depression? Irren und Wirren auf der Suche nach dem nächsten grossen Ziel? Wie dem auch sei. Die Enttäuschung, dass ich die 2014er-Ausgabe bereits verpasst habe, da das Rennen seit mindestens 1915 (so ganz genau weiss man das im hohen Norden der USA nicht mehr) jeweils am «Fourth of July» ausgetragen wird, hält sich in Grenzen. Zugelassen werden nämlich nur 400 Läufer (dazu 400 Läuferinnen und 200 Jugendliche). Dauergäste haben Vorrang – gibt es überhaupt noch freie Startplätze, entscheidet das Los.

Ein Limit aus Sicherheitsgründen. Denn auf der Strecke zwischen Seward und dem Gipfel des Mount Marathon kann es im Aufstieg nämlich ganz schön eng und beim Abstieg, wie das Video beweist, auch ganz schön steinschlagig werden. Ungefährlich ist das nicht: Michael LeMaitre schaffte es 2012 zwar bis zur Zwischenzeitnahme auf dem Gipfel, ward seither aber nicht mehr gesehen. In der rund 100-jährigen Geschichte glücklicherweise ein Einzelfall. Normalerweise bleibt es bei diversen Verletzungen: Prellungen, Schürfungen, sprich Blut gepaart mit ganz viel Staub und Schlamm. Alles gut. Beruhigend.

Einzig der Berg ist es, der das Wörtchen «Marathon» im Veranstaltungsnamen legitimiert – ein Rückschluss auf die Distanz wäre ein fataler Irrglaube. Denn das Rennen ist – das meinte ich natürlich ernst – in reinen Kilometerzahlen ausgedrückt wirklich ein Sprint: Rund 3,1 Meilen, also knapp fünf Kilometer, legen die Teilnehmenden zwischen dem Start in der «Fourth and Adams» und dem Ziel in der «Fourth and Washington», ein Häuserblock weiter, zurück. Die Schlaufe über den Berggipfel hat es aber in sich: Von Meereshöhe geht es auf 921 Meter – und zurück auf Null.

Ursprünglich soll eine Wette gestanden haben, dass der Läufer es nicht unter einer Stunde schaffen würde, auf den Mount Marathon und wieder zurück zu laufen. Damals hätte er, so heisst es, eine Stunde und 20 Minuten dafür gebraucht – der aktuelle Rekord, 2013 aufgestellt von Eric Strabel, liegt bei 42 Minuten und 55 Sekunden. Topläufer benötigen bis zum Gipfel rund 35 Minuten, für den Abstieg 10 bis 15 Minuten. Letzteres entspricht einem Tempo von bis zu 20 Kilometern pro Stunde.

Auch wenn Physik trotz grundsätzlich mathematisch-naturwissenschaftlichem Schulweg sich jetzt nicht wirklich als eine meiner Kernkompetenzen etablieren konnte, skizziere ich mit gefährlichem (Formel-)Halbwissen, dass ich mit meinem Gewicht – so von wegen Masse, Kraft, Beschleunigung und sonstigem Newton’schem Schnickschnack – hinunter bis Seward eine höhere Endbeschleunigung hinbekäme. Vielleicht doch mal schauen, wo ich mich zu dieser Startplatz-Lotterie einschreiben muss …

«Wer Visionen hat, sollte lieber gleich zum Arzt gehen»
Getreu der Aussage des deutschen Altbundeskanzlers Helmut Schmidt werden in der Rubrik «Vision» in loser Folge etwas andere Laufveranstaltungen vorgestellt – natürlich ohne Einschränkung, die eine oder andere Vision dereinst Realität werden zu lassen.

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