Newsticker

TomTom Runner Cardio: viel Busen, viele Fragen

Alexandria Morgan kannte ich bis vor wenigen Minuten gar nicht. Trotzdem hatte ich mich schon vor Wochen dagegen entschieden. Nicht gegen sie, sondern gegen das, was sie in einem Werbespot eines niederländischen Elektronikspezialisten am Handgelenk trägt: den TomTom Runner Cardio. Mein Entscheid fiel aus technischen Gründen.

Auch einige TV-Verantwortliche sollen sich gegen TomTom entschieden haben – aus moralischen Gründen. Denn der Spot mit dem langmähnigen Model (nicht zu verwechseln mit der US-Fussballnationalspielerin Alexandra Morgan) sei zu anstössig und dürfe deshalb nicht im Fernsehen gezeigt werden, empörte sich der Hersteller auf YouTube. Wo und von wem konkret Zensur geübt worden sein soll, bleibt nebulös – das deutsche Werbe- und Medienmagazin «W&V» betitelt die Aktion jedenfalls als «inszenierten Skandal».

«Alexandria Morgan runs strapless», heisst das Video doppeldeutig, das nun natürlich einen umso grösseren Internet-Hype ausgelöst hat und alleine auf dem offiziellen YouTube-Kanal von TomTom über 3,1 Millionen Mal angeklickt worden ist.

Nicht schlecht für eine simple Sportuhr, deren Hauptattraktion die Messung der Herzfrequenz ohne Brustgurt ist. Marketingtechnisch ein absoluter Volltreffer. «Traurig, aber wahr: Die Taktik funktioniert», konstatiert «W&V» nüchtern.

Viel Busen, viel nackt – das erregt Aufmerksamkeit. Und trotzdem, TomTom: Weshalb Busen? Weshalb viel nackt? Für eine Sportuhr, die mit rund 320 Franken zu Buche schlägt – und folglich nicht eben mal so von der Gelegenheitsjoggerin gekauft werden wird?

«Bin ich wirklich der Einzige, der auf solches Marketing nicht hereinfällt», fragt YouTube-User Tony Gill – und schiebt nach: «Welcher Mann wird eine solche Uhr kaufen, nur weil in der Werbung ein shirtloses Girl damit herumgerannt ist?» Und Ruby Ophelia Quinn frotzelt auf TomToms YouTube-Kanal: «Jetzt weiss ich mehr über das Produkt – ich habe noch nie einen solch stabilen trägerlosen Büstenhalter gesehen.»

Frage an die Sportfrauen da draussen: Gibt es nicht gerade beim Sport-BH eigens dafür vorgesehene Vorrichtungen für Brustgurte? Wie dem auch sei: Meine blonden Haare sind kürzer, es schwabbelt an meinem Oberkörper etwas weiter unten – und trägerlos hält bei mir ohnehin nicht. Vielleicht habe ich mich auch deshalb wohl auf Lebzeiten gegen TomTom entschieden.

Ein Kommentar zu TomTom Runner Cardio: viel Busen, viele Fragen

  1. Der Beitrag ist zwar schon älter, aber bisher hat sich wohl niemand bemüßigt gefühlt, deine geschlechtsbedingte Bildungslücke zu füllen. 😀
    Also: Es gibt Sport-BHs mit Brustgurtschlaufen. Ich persönlich liebe sie. Aaaaaber: Sie verschwinden zusehends vom Markt. Mag damit zusammenhängen, dass Sport-BH-Hersteller grundsätzlich jedes Produkt vom Markt nehmen, was gut passt und funktioniert, aber wohl auch damit, dass es immer mehr textile Brustgurte gibt, die man nicht so gut in die Schlaufen reinkriegt.
    Der Spot ist… ja nun… äh… nicht realistisch. Angeklebt?

2 Trackbacks / Pingbacks

  1. Apple Watch Sport: Jubelpose ohne Kampfansage | strohmRUN
  2. GPS – oder: Der Gadget-Pseudo-Stress | strohmRUN

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: