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GP Bern 2014: Ein Pferd am falschen Ort

Bern gestern, irgendwo zwischen Bundesplatz und Gerechtigkeitsgasse, so ungefähr um 17.45 Uhr ist es passiert: Der Wurm ist drin. Zwischen Kilometer 13 und 14 des Grand Prix laufe ich in eine Wand. Nicht echt natürlich (es gilt grösster Respekt für das historische Mauerwerk der Altstadt), aber im Kopf geht für einen Moment nichts mehr.

Und beim Blick auf die Uhr wird klar: Die 1:30er-Marke ist weg. Die Idee, einen Grand Prix, also die 10-Meilen-Strecke, in weniger als 90 Minuten zu laufen, hatte sich irgendwie tief im Hinterkopf eingenistet: Die letzten zwei Kilometer auf den «10 schönsten Meilen der Welt» müsste ich zu diesem Zeitpunkt aber jeweils deutlich unter sechs Minuten bewältigen – und dabei steht die Schlusssteigung am Aargauerstalden erst noch bevor. Eilt mir jetzt kein Pferd zu Hilfe, das mich über das Kopfsteinpflaster trägt, dann ist das – unmöglich!

Dabei hätten die Durchgangszeiten an jenem prächtigen, teils sogar heissen Spätnachmittag gestimmt: 26:03 Minuten nach 5 Kilometern, 55:12 Minuten nach 10 Kilometern – den langen Aufstieg im Tierpark Dählhölzli bereits im Sack.

Aber vielleicht habe ich dabei ein wenig «überpowert». Vielleicht fehlte mir das Kohlenhydrate-Gel, das ich zirka bei Kilometer 7 eingeworfen hätte (beim Einpacken schlicht aber nicht daran gedacht hatte). Vielleicht steckte nach einer hervorragenden Toscatours-Trainingswoche auf Elba auch sieben Tage nach deren Ende noch ein kleines bisschen Restmüdigkeit in den Knochen und Muskeln. Vielleicht aber bin ich auch – zumindest auf dieser äusserst coupierten und nur selten wirklich flachen Grand-Prix-Strecke – noch gar nicht reif für 1:30 Stunden.

«All in all it’s just another brick in the wall» – dennoch laufe ich nun mit dem Kopf durch selbige, quäle mich über den Aargauerstalden, nehme in der Bolligenstrasse – notabene vorbei am Nationalen Pferdezentrum (Wo wart ihr Rösser, als ich euch brauchte?) – nochmals Fahrt auf und biege scharf links auf die Mingerstrasse Richtung Ziel ein. Und siehe da …

GP Bern 2014 Zieleinlauf

Zieleinlauf nach den «10 schönsten Meilen der Welt». (Foto: Thomas Haberthür / thabpoint.ch)

mit der offiziellen Endzeit von 1:31:55 Stunden pulverisiere ich nicht nur meine Laufzeit aus dem Vorjahr (1:38:26 Stunden), sondern unterbiete auch meinen persönlichen GP-Bern-Rekord von 1:32:02 Stunden, der nicht weniger als genau ein Jahrzehnt in den Büchern gestanden hatte. Und irgendwann zwischen dem Zielauslauf auf dem Gelände der Bernexpo und dem anschliessenden Auffüllen der Speicher im Bären in Schüpfen huscht auch ein erstes zufriedenes Lächeln über das Gesicht.

Die Bestellung dort, in sehr gemütlichem Ambiente (offizieller Slogan «Grill & Pasta», Cheminée-Feuer inbegriffen), gehört zur Dramaturgie des heutigen Tages: Zu Pommes-Frites, Gemüse und einer feinen Whisky-Specksauce gesellen sich 200 Gramm Entrecôte auf meinen Teller. Vielleicht von jenem Pferd, das mich irgendwo zwischen Bundesplatz und Gerechtigkeitsgasse im Stich gelassen hatte. Späte Rache ist süss!

Ein Kommentar zu GP Bern 2014: Ein Pferd am falschen Ort

  1. Lauftreff beider Basel // 11. Mai 2014 um 4:25 pm // Antwort

    Du armer Mann. Das tönt nach einer richtigen Katastrophe. Fast zwei Minuten länger als geplant; wo führt das hin?
    E schöne
    Gabor

1 Trackback / Pingback

  1. Zermatt-Marathon: Radiergummi als Motivationsspritze | strohmRUN

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