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Köln-Marathon: Ärmel rauf, Ärmel runter, Rekord!

Wer mit Wolfgang Niedeckens BAP in der Schulzeit aufgewachsen ist, der tritt zum Köln-Marathon als Heimspiel an. Erst recht mit neuer, alter Streckenführung.

Ziel erreicht, heisst es nach dem vergangenen Sonntag auf jeden Fall bei den Organisatoren des «RheinEnergieMarathon Köln», so der offizielle Veranstaltungstitel: 14’666 Halbmarathon-Läufer, 7073 über die volle Distanz von 42,195 Kilometern. Dazu tausende grosse und kleine Staffelläufer, Inline-Skater und Handbiker – und damit durch die veränderte Streckenführung (nach neun Jahren wieder mit Ziel am Dom) eine klare Trendwende nach den zuletzt rückläufigen Teilnehmerzahlen. Ziel erreicht, heisst es nach dem vergangenen Sonntag aber auch für mich bei meinem – zugegebenermassen wohl den wenigsten der zahlreichen und teils sehr lauten Zuschauern bekannten – Marathon-Comeback.

4:23.48 Stunden wird kurz nach 16 Uhr meine offizielle Laufzeit lauten. Oder anders ausgedrückt: Satte 21 respektive 23 Minuten schneller als bei den Läufen im Jahr 2005, als ich in Frankfurt und Basel ebenfalls bestens vorbereitet an den Start gegangen war. Der sechste Marathon ist nach längerem Unterbruch in trockenen Tüchern (exklusive die Bieler 77 Kilometer im Jahr 2006). Ein Wettkampf, der – nicht zuletzt auch dank des ausgeklügelten Trainingsplans des Coaches (und der minutiösen Planausführung meinerseits) – über weite Strecken in einen regelrechten Genusslauf ausartet, trotzdem aber Luft nach oben lässt. Doch schön der Reihe nach.

Der Köln-Aufenthalt vom Freitagabend bis Montagmorgen gerät zu einem rundum gelungenen Anlass: perfekt gelegenes Hotel, feines Essen (und regionales Flüssiges), stressfreie Wettkampfvorbereitung – und vor allem eine sehr aufgestellte «Reisegruppe» (der Dank geht an Luzia, Thomas, Markus und Martina).

Cölner Hofbräu Früh

Kein Grund zur Sorge: Der Nachschub im Brauhaus Früh am Dom kam natürlich sofort.

Einziger Unsicherheitsfaktor: das Wetter. Und ein solcher bleibt es auch während des gesamten Laufes, bei dem die Elite (Motto: Kenia gegen den Rest der Welt) um 11.30 Uhr am Ottoplatz in Köln-Deutz auf die Strecke geschickt wird. Trocken bleibt es, soviel sei fairerweise gesagt – aber bei 12 Grad Celcius pfeifen mitunter bissige Windböen durch die Strassen der Domstadt, was mir (nennt mich «weissen Kenianer»), traditionell verschwitzt laufend, den einen oder anderen Fluch entlocken sollte. Ein erstes Mal in der Universitätsstrasse, ein zweites Mal beim Konterlauf wieder in der Universitätsstrasse. Der Wind hatte – wie fies ist das denn? – mittlerweile um 180 Grad gedreht. «Windchill» tönt gut, tönt romantisch. Gerät an diesem Sonntag aber zum eigentlich einzigen wirklichen Ärgernis: Ärmel rauf, Ärmel runter. Das Spiel mit meinem Langarm-Shirt als steter Wegbegleiter.

Wobei es da noch ein kleines Ärgernis zu erwähnen gibt: den Satelliten-Empfang auf meiner «Polar RC3 GPS». Kommentierte ich vor dem Start noch höhnisch das scheinbar unendlich lange satellitenverbindungsuchende Garmin-Gerät einer der Mitläuferinnen («Sind wohl schon alle Satelliten besetzt, was?»), sollte ich wenig später (merke: Satelliten strafen sofort!) Zeuge grober Messfehler werden – anders sind die Pace-Schwankungen zwischen gefühlten 3:15 und 8:30 Minuten pro Kilometer nicht zu erklären. Und nein, ich glaube meinem technischen Wunderteil auch nicht, dass ich am Ende weit über 43 Kilometer zurückgelegt haben soll. So vermessen können nicht einmal die Kölner sein…

Langer Rede, kurzer Sinn: Einziges Hilfsmittel bleibt die Stoppuhr (für die es zugegebenermassen keinen eingebauten GPS-Empfänger an einem Gerät mit Mini-USB-Anschluss brauchen würde). Und was ich während mehr als 30 Kilometern darauf sehe, lässt mich frohlocken: Wie ein Präzisions-Uhrwerk spule ich Kilometer für Kilometer mit einer Pace von rund 6:10 Minuten pro Kilometer ab. Ich bin (anders als die Kollegen der Deutschen Bahn auf der Hin- und Rückreise) im Fahrplan!

Am Chlodwigplatz in der Kölner Südstadt stelle ich mit Erleichterung fest, dass das legendäre «Chlodwig Eck» die Fensterläden geschlossen hat. Ein Kölsch mit Wolfgang Niedecken hätte nach knapp acht Kilometern auch nie und nimmer in meinen Zeitplan gepasst.

Ärmel rauf, Ärmel runter. Zwischen Kilometer 19 und 20 passiere ich den Aachener Weiher: Mit alter Streckenführung war dies damals Halbmarathon-Distanz und 2007 derjenige Ort, an dem meine Rückenschmerzen zu gross geworden waren, um noch weiterlaufen zu können. Mein Rücken fühlt offensichtlich das Wasser (eiskalter, windgechillter Schweiss oder Weiher lässt sich nicht abschliessend klären) und fängt zwei, drei Kilometer später leicht an zu klemmen. Doch dieses Mal ist die Vorbereitung zu seriös ausgefallen – davon lässt sich ein trainierter Marathonläufer nicht aus der Ruhe bringen.

Köln-Marathon 2013

Minutiöse Organisation: Beim Startgelände ist schon am Freitagabend alles bereit für kurzfristige Anfälle von Nervosität.

Ärmel rauf, Ärmel runter. Es gibt Schöneres als die Schlaufe über Köln-Nippes. Die Nippeserinnen und Nippeser bitte ich um Nachsehen. Gut, es gibt auch schönere Bezeichnungen als Nippeserinnen und Nippeser – aber ich verlasse thematisch gerade die Strecke.

Fakt ist: Der «RheinEnergieMarathon Köln», Ausgabe 2013, führt zu diesem Zeitpunkt – zwischen Kilometer 28 und 36 – gefühlt um fast jedes Hauseck. Kurz nach der 36. Kilometertafel (rechne!) kommt an diesem Sonntag der Zeitpunkt, an dem ich zum ersten Mal für einige Meter marschieren muss. Selbst an den Verpflegungsstationen (der Vollständigkeit halber: Wasser, isotonisches Getränk, Bananen, Riegel und gegen Schluss auch Coca-Cola) habe ich bis hierhin den Laufrhythmus nicht unterbrochen.

Das Ziehen in der Hüfte führt mittlerweile dazu, dass der Laufschritt nicht mehr ganz rund ist, so dass die Kilometer zwischen 37 und 40 zu den härtesten werden. Hier gehen rückblickend vielleicht fünf, vielleicht zehn Minuten verloren. Schwer zu sagen: Für die zweite Streckenhälfte benötige ich jedenfalls nur rund fünf Minuten mehr als für die ersten 21 Kilometer. «Das sind gute Indikatoren», lässt mich der Coach in seinem ersten Gratulations-Mail anschliessend wissen (ältere Blogleser erinnern sich: Köln ist nur Etappenziel auf dem Weg nach Zermatt im Juli 2014).

Wir sind wieder in der Innenstadt: Rudolfplatz, Neumarkt – es geht plötzlich Schlag auf Schlag. Der Dom ist das Ziel. Endspurt durch die Hohe Strasse auf die Komödienstrasse. Der Rekord steht. Die Verpflegung nach Zielschluss mit Mini-Berlinern bis hin zur Blutwurst, mit Bouillon bis hin zum alkoholfreien Bier ist vielfältig. Nicht alles gluschtet mich gleichermassen.

Es zieht wieder wie die Pest. Kein Fluchen mehr. Ärmel rauf, Ärmel runter. Kleiderbeutel fassen, trockene Sachen anziehen, zurück ins Hotel. Und den Erfolg geniessen.

 


Quelle Vorschaubild Artikel:
«Köln mit Dom»
G.Ü./pixelio.de

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