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Tag der Rekorde – und Hausaufgaben

Was für ein Sonntag: Wilson Kipsang läuft in Berlin einen neuen Marathon-Weltrekord – und ich erziele punkto Distanz und Zeit einen neuen Trainingsrekord. Doch schön der Reihe nach.

2:03.23 Stunden – das sind sensationelle 2.55 Minuten pro Kilometer, die der 31-jährige Kenianer quer durch die deutsche Hauptstadt benötigt. Im Schnitt wohlgemerkt. Von mir «live» in HD-Qualität mitverfolgt. Und im Wissen: Auch ich werde für den nächsten Marathon 2:03.23 Stunden benötigen – mit dem Unterschied, dass ich dann längst noch nicht im Ziel bin…

Und jener «nächste» Marathon steht genau heute in zwei Wochen an. Das Marathon-Comeback nach vierjährigem Unterbruch in Köln. Wobei: Korrekter wäre eigentlich nach sechsjährigem Unterbruch, denn den München-Marathon 2009 bin ich praktisch ohne Trainingsvorbereitung weitestgehend «mit dem Kopf» gelaufen, was sich in massiven Rückenschmerzen (ausstrahlend ins rechte Bein) ab etwa Kilometer 32 bemerkbar machen und zeitlich brutalst rächen sollte.

Heuer ist alles anders: Seit April regelmässig im Einsatz, seit August mit Trainingsplan ausgestattet und vom Coach akribisch beobachtet. Woche 8 ist bereits durch – höchste Zeit, diese mit einem 30-Kilometer-Longjogg würdig zu beenden. Schnell wird dabei klar: Bis zum 13. Oktober sind noch mentale Hausaufgaben zu machen. Die Zeitvorgabe, die Kilometer zwischen 6.25 und 6.35 Minuten (also marginal langsamer als Kipsang) zu laufen, erfülle ich erst etwa ab Kilometer 6 – davor laufe ich konstant leicht zu schnell (und auch danach immer wieder mal…). Und dies auf meinem Rundkurs durch Frick, Oeschgen, Eiken, Kaisten und Sisseln selbstredend ohne jedwelche Kölsche Jecke am Strassenrand. Kein «Da simmer dabei», kein «Viva Colonia» aus irgendwelchen Boxen hämmernd. Ich muss mich zügeln, sonst droht bei zu schnellem Marathon-Einstieg in der Dom-Stadt der Laktatschock.

Sehr erfreulich aber: Hintenraus gelingt mir die Endbeschleunigung auf den letzten fünf Kilometern geradezu formidabel – «dat ess prima»!

Im Kopf beginne ich den Trainingslauf bereits auf 42,195 Kilometer hochzurechnen; aber solche Rechenspiele zählen nicht. Vielleicht stütze ich meine Taktik viel eher auf die Bemerkung der 41-jährigen Irina Mikitenko, die in Berlin neuen Seniorinnen-Weltrekord aufgestellt hat: Sie erklärt im ARD-Interview, dass sie die erste Rennhälfte quasi im Schlaf gelaufen sei und so das Rennen für sie erst ab Kilometer 20 begonnen habe. Sowas müsse man mental trainieren, fügt die Deutsche an. Viel Zeit bleibt mir nicht mehr: Also präge ich mir mit folgendem Video den Streckenverlauf des Köln-Marathons so ein, dass ich heute Nacht davon träume. Der Dom ist das Ziel… ist das Ziel… das Ziel… Ziel…

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